Minderung der Mütter- und Kindersterblichkeit
durch Vermeidung von altersspezifischen
und anderen Risikoschwangerschaften
  Die Probleme
Wege zur Lösung


 

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  Die Probleme


 Nach Ermittlungen der Weltgesundheitsorganisation sterben in den Entwicklungsländern in jedem Jahr über 500 000 Frauen infolge von Komplikationen bei Geburten. Außerdem erleiden 30- bis 50mal so viele Frauen davon meist bleibende Gesundheits-schäden. Dabei ist die Müttersterblichkeit in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sowie im südlichen Zentralasien am höchsten. In den Industrienationen kommen solche Todesfälle dagegen kaum noch vor. Die Ursachen der Müttersterblichkeit liegen zum einen beim mangelnden Zugang zu fachkundiger Betreuung und medizinischer Versorgung bei den Geburten. Etwa die Hälfte davon erfolgt in den Entwicklungsländern noch immer ohne Hilfe auch nur von ausgebildeten Hebammen, vom Zugang zu Ärzten und Notfallversorgung ganz zu schweigen. Weitere Ursachen der hohen Müttersterblichkeit sind die fehlende Auf-klärung über alters- und kinderzahlbedingte Risikogeburten und der mangelnde Zugang zu Verhütungsmitteln.

Es handelt sich vorwiegend um
•   Geburten von sehr jungen Frauen (unter 20jährigen)
•   Geburten von älteren Frauen (über 35jährigen)
•   um zu dichte Geburten (weniger als zwei Jahre Abstand zur vorhergehenden Geburt)
•   und um Geburten von Frauen mit einer größeren Kinderzahl: Ab der 5. Geburt nimmt die Blutungsneigung stark zu, und Fälle von Blutungen sind ohne eine entsprechende klinische Versorgung tödlich.
Das Risiko, an Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen zu sterben, ist um so größer, je jünger die unter 20jährigen und je älter die über 35jährigen sind. Zwischen diesen Altersgruppen liegt das «ideale Gebäralter».

Außerdem sterben weltweit in jedem Jahr etwa 70 000 Frauen bei den etwa 20 Millionen illegalen Schwangerschaftsabbrü-chen
, die vielfach ohne medizinische Fachkenntnisse unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen durchgeführt werden. Zudem erleiden hunderttausende Frauen davon schwere Gesundheitsschäden. Die meisten dieser Frauen hatten keinen Zugang zu korrekten Informationen über Empfängnisverhütung oder Verhütungsmitteln, oder der Mann war gegen deren Anwen-dung, weil diese «alle Tage Sünde sind» (statt nur gelegentlich ein Schwangerschaftsabbruch) oder «die Frauen nicht mehr treu sind, wenn sie keine Schwangerschaft zu befürchten haben» u.a.



Frauen demonstrieren in der Kleinstadt Dassa
in Benin für ihr Recht auf «reproduktive Gesundheit»
(Empfängnisverhütung, Schwangerschaftsbetreuung
und Geburtshilfe). «Lebenschancen International» hat
dort dann ein entsprechendes Zentrum finanziert.

(Foto: Bernard Gnantonnou)

Etwa ein Viertel der Frauen sind beim Tod im Zusammenhang mit einer Geburt oder einem illegalen Schwangerschaftsabbruch unter 20, und es handelt sich im allgemeinen um die erste Schwangerschaft. Die übrigen etwa 425 000 Frauen haben je-doch meistens schon mehrere Kinder. Es wird daher geschätzt, dass in jedem Jahr etwa 1,5 bis 2 Millionen Kinder durch diese Todesfälle die Mutter verlieren. Viele dieser Kinder bleiben dann sich selbst überlassen, müssen früh arbeiten, werden oft ausge-beutet oder müssen als Straßenkinder ein menschenunwürdiges Leben fristen.

   
 

*) ohne baltische Staaten und Moldawien.
Quelle: UN: Millennium Indicators Database: World and Regional Trends, New York 2003

Zu den Daten:
Werte der Industrieländer nach Todesursachen-Statistik, für die meisten Entwicklungs-
länder jedoch nur Schätzwerte nach Stichprobenbefragungen, Teilregistrierungen u.a.
Dabei gibt es innerhalb der Regionen auch große Unterschiede zwischen den Ländern.
In den Flächenstaaten Subsahara-Afrikas liegen die Extreme bei 10 Todesfällen in Bots-
wana und 200 im damaligen Bürkerkriegsland Sierra Leone. Im südlichen Zentralasien
betrug der Wert in Iran und Sri Lanka nur 8 und 9, in Nepal aber 74 und in Afghanistan
190 Todesfälle.
In Nordamerika, West- und Nordeuropa liegt die Müttersterblichkeit - von Estland und
Lettland abgesehen - bei unter 2 pro 10.000 Lebendgeburten. Dies gilt auch für die
meisten Länder Süd- und Osteuropas mit Ausnahme einiger Länder des ehemaligen
Ostblocks sowie von Albanien, Bosnien, Mazedonien, Estland und Lettland. Die mei-
sten davon haben eine Rate von 3-5 Todesfällen, Albanien und Estland eine von 6.
Daten zu den Projektländern von Lebenschancen International  sowie Deutschland hier.
   

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Wege zur Lösung


 Von all diesem Leid könnte ein großer Teil mit relativ geringen Kosten vermieden werden, wenn die Menschen Zugang zu Empfängnisverhütungsmitteln hätten und über die Risiko-schwangerschaften informiert wären. Die Weltgesundheits-organisation hat ermittelt, dass die Müttersterblichkeit - allein durch die Vermeidung von Geburten bei unter 20jährigen und von Abständen von weniger als zwei Jahren zur vorhergehenden Geburt - weltweit um 40% gesenkt werden könnte und die Kinder-sterblichkeit je nach Land um 25-40%. Dies gilt selbst für die ärmsten Länder der Welt.

Ansonsten ist freilich auch der Bau von Entbindungsstationen und deren Ausstattung zumindest mit ausgebildeten Hebammen, blutstillenden Mitteln und der Möglichkeit von Bluttransfusionen für die Minderung der Müttersterblichkeit hilfreich und in jedem Falle wünschenswert. Diese kosten jedoch weitaus mehr als eine Prävention mit Verhütungsmitteln, und eine flächendeckende Versorgung ist in den meisten Entwicklungsländern kurzfristig nicht möglich. Näheres zur Bewußtmachung der Müttersterb-lichkeit und den Schwierigkeiten einer Minderung finden Sie hier.

Lebenschancen International bietet in allen Projekten entspre-chende Informationen und meistens Zugang zu Verhütungsmit-teln, zum Teil, d. h. in Nepal, Benin und im Südosten Togos,
auch Schwangerenbetreuung sowie Mutter- und Kind-Gesund- heitsdienste.

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Gesunde Mütter mit erwünschten Kindern, die
die Familie auch ernähren kann - eines der
Hauptziele von «Lebenschancen International»

(Foto: H. J. Heile/gtz)