Vermeidung der gravierenden Probleme
von «Teenager-Schwangerschaften»
  Die Probleme
Wege zur Lösung


 

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  Die Probleme


 Weltweit bekommen in jedem Jahr etwa 15 Millionen Frauen unter 20 Jahren ein Kind. In den Industrieländern haben im Durchschnitt 14% vor dem 20. Geburtstag mindestens ein Kind (in Deutschland nur 6%), in den ärmsten Entwicklungsländern jedoch etwa 65%. Dort handelt es sich zum größten Teil entweder um Geburten von Frauen, die entsprechend den traditionellen Sitten früh von den Eltern verheiratet wurden, oder um ungewollte, uneheliche Schwangerschaften.

Hintergründe von letzteren sind der Mangel an Aufklärung wie auch der fehlende Zugang zu Verhütungsmitteln. In den meisten «traditionellen Gesellschaften» ist der gesamte Sexualbereich stark tabuisiert, d.h. man spricht nicht darüber. Dies gilt auch zwischen Ehepartnern und erst recht zwischen den Generationen. Die Kinder und Jugendlichen werden also nicht in der Familie aufgeklärt, bisher auch weithin von sonst niemandem. In den hinduistischen und islamisch geprägten Gesellschaften folgt dem eine starke Trennung zwischen den Geschlechtern. In Lateinamerika und Subsahara-Afrika haben die Jugendlichen jedoch ihre Möglichkeiten zu Treffen und Sexualkontakten. Viele Mädchen werden in den männerdominierten Kulturen auch gegen ihren Willen zum Sexualverkehr gedrängt bzw. mehr oder weniger dazu gezwungen.

Mit der Erhöhung des Heiratsalters der Mädchen, die allgemein und zur Ermöglichung einer längeren Schul- und Berufsausbil-dung erwünscht ist, werden in diesen Gesellschaften nun immer mehr unverheiratete Mädchen schwanger. Ein schwangeres Mädchen wird dort jedoch im allgemeinen nicht vom Kindsvater geheiratet, da es als «lässig» gilt. Ein uneheliches Kind ist aber eine große Schande für die Mädchen und ihre Familien. Im allgemeinen können die Mädchen eine etwaige Schul- oder Berufsausbildung nicht fortsetzen, und einige werden aus der Familie verstoßen.

Viele Betroffene suchen daher Abhilfe in Schwangerschaftsab-brüchen. Diese sind in den meisten Ländern Afrikas und Latein-amerikas illegal. Es gibt jedoch entsprechende Möglichkeiten, oft durch Laien, die solche mit allen möglichen Methoden und häufig ohne hygienische Vorkehrungen durchführen. Eine Sepsis ist noch die harmloseste Folge dieser Eingriffe. Viele junge Frauen haben davon auch ständig Schmerzen oder Blutungen und müssen dann ärztlich oder sogar in einem Krankenhaus behan-delt werden. Eine größere Zahl stirbt daran, und in einigen Ländern sollen illegale Schwangerschaftsabbrüche die größte Todesursache bei weiblichen Jugendlichen sein.

Auch frühe Geburten sind ohne moderne Geburtshilfe und außerhalb von Krankenhäusern ein Risiko für Mutter und Kind. Das Risiko bei einer Geburt außerhalb von Krankenhäusern zu sterben, ist für unter 20jährige drei- bis viermal so hoch wie für 20-29jährige und bei ersteren um so höher, je jünger die Frau bei der Geburt ist. In vielen Ländern erfolgt noch ein Großteil bis zur überwiegenden Mehrheit der Geburten ohne Hilfe auch nur einer ausgebildeten Hebamme. Weltweit sterben in jedem Jahr etwa 150 000 13-19jährige an Folgen von Schwangerschaft und Geburt. Dazu kommen die Leiden von Kindern, die als absolut unerwünscht aufwachsen.



Zwei Teenager-Mütter in Togo kurz nach ihren ersten Geburten. Sie sind erschöpft, hatten aber immerhin Zugang zu einer Ent-bindungsstation mit einer ausgebildeten Hebamme. Das hat die Hälfte der Frauen in Togo nicht, und von den jungen Erstgebä-renden wie auch Frauen mit mehr als vier Geburten kommt auf 100 Geburten mindestens ein Todesfall.
(Foto: SILD, Togo - Partnerorganisation von "Lebenschancen")

Schließlich liegt bei den frühen Geburten und dem geringen Generationenabstand auch ein starkes Element des Bevölke-rungswachtums. Wenn das durchschnittliche Alter der Frau bei der ersten Geburt nur um drei Jahre erhöht werden kann, führt dies in den Ländern mit noch sechs oder mehr Geburten pro Frau zu einer Senkung des Bevölkerungswachstums um 15-20%.

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Wege zur Lösung


 Angesichts der gravierenden Probleme wird seit der Weltbevöl-kerungskonferenz in Kairo von 1994 international zunehmend auf eine Aufklärung der Heranwachsenden und die Abgabe von Verhütungsmitteln auch an diese gedrungen. Ein Ansatz sind Aufklärungen in Schulen. Damit werden jedoch oft nur Minder-heiten erreicht, weil die Mehrheit im Aufklärungsalter keine Schule mehr besucht. Auch sind die Lehrer meistens noch mit den traditionellen Schamvorstellungen erzogen und weigern sich, solche Themen im Unterricht zu behandeln.

Als bester Weg haben sich angesichts der starken Barrieren zwischen den Generationen Erstinformationen durch Gleich-altrige erwiesen. Dazu werden Jugendliche, die für die genannten Probleme aufgeschlossen sind und gute kommunikative Fähig-keiten haben, über die Entstehung von Schwangerschaften - wie auch die Ansteckungswege von HIV/AIDS - ausgebildet und dann zur Weitergabe ihres Wissens in Schulen, an Jugendtreffpunkten oder in speziellen Jugendaufklärungszentren eingesetzt.

Außerdem werden spezielle Zentren mit Beratungsmöglichkeiten durch Fachpersonal begründet. Grundkonzeptionen sind jeweils eine «verantwortliche Sexualität» und «verantwortliche Eltern-schaft» und bei den Mädchen außerdem eine Bestärkung darin, dass sie «nein» sagen können und Männern bei Wünschen nach Sexualkontakten nicht gehorchen müssen. Solche Maßnahmen müssen jedoch alle finanziert werden.

   
  Warnungen in einer Aufklärungsbroschüre des von «Lebenschancen»
finanzierten Jugendinformationszentrums in Koupéla/Burkina Faso




Ein junger Mann leugnet die VerantwortungEin Vater verstößt seine schwangere Tochter,
für die Schwangerschaft seiner Freundin.um «die Ehre der Familie» zu bewahren.

 
Lebenschancen International hat bereits größere Jugendauf-klärungsprojekte mit dem Bau von «Jugendgesundheitszentren» in Burkina Faso, Paraguay sowie im Westen und Südosten Togos finanziert und plant weitere Aufklärungsmaßnahmen in Burkina Faso, Peru und Togo.

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