


| Vermeidung von Ansteckungen mit AIDS |
|||
Die Probleme Wege
zur Abschaffung |
|||
Die
Probleme![]() Eine Mutter von drei Kindern im Endstadium von AIDS in einem Kleinkrankenhaus von Togo, 40 km vom Ort des Jugendprojekts von Lebenschancen entfernt. Sie hat wenigstens medizinische Versorgung, was die meisten Sterbenden in Togo dann nicht haben. (Foto: SILD, Togo - Partnerorganisation von "Lebenschancen") Während sich die Krankheit in Westeuropa bisher auf Homo-sexuelle, Drogensüchtige und Prostituierte sowie deren Umfeld konzentriert hat, wird sie in den Entwicklungsländern überwie-gend durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr in der allge-meinen Bevölkerung verbreitet. Hintergrund davon ist, dass die jungen Männer ihre ersten Sexualkontakte vielfach mit Prosti-tuierten haben und dies oft ungeschützt und dass es vor allem in Subsahara-Afrika eine starke Promiskuität gibt, so dass gege-bene Infizierungen dann an Freundinnen und Ehefrauen weiter-getragen werden. So kommt es, dass weltweit etwa die Hälfte aller Ansteckungen bereits vor dem 25. Lebensjahr erfolgt und in Afrika über die Hälfte der infizierten Erwachsenen «Familien-frauen» sind. Die Infizierten haben in diesen Ländern im günsti-gen Falle noch etwa 12 Jahre zu leben. Viele sterben also in der «Blüte ihres Lebens» und Zeit der besten Schaffenskraft und hinterlassen ihre Kinder als Waisen. Sodann erhält etwa ein Drittel der Kinder von infizierten Frauen die Krankheit über die Mutter. Zwar ist dieser Übertragungsweg inzwischen weitgehend mittels Medikamenten vermeidbar. Ent-sprechende Behandlungen setzen jedoch voraus, dass die Infizierung der Schwangeren bekannt ist, und müssen in einem Frühstadium der Schwangerschaft oder während der Geburt durchgeführt werden. Viele werdende Mütter wissen in den Entwicklungsländern jedoch nichts von ihrer Infizierung, sei es dass es keine entsprechenden Einrichtungen mit der Möglichkeit von HIV-Tests gibt oder dass die Frauen die gegebenen Möglich-keiten aus dem einen oder anderen Grunde nicht nutzen und ihre Kinder weiterhin ohne fachliche Betreuung zu Hause zur Welt bringen. Außerdem gibt es die betreffenden Medikamente längst noch nicht überall. | ![]() (Quelle: UNFPA oder zuletzt UNAIDS: Aids update, jährlich bzw. http://www.unaids.org) | ||
![]() (Quelle: UNFPA oder zuletzt UNAIDS: Aids update, jährlich bzw.http://www.unaids.org) | |||
|
Ein Faktor bei der starken Ausbreitung in den Entwicklungslän-dern
war, daß bis zum Ausbruch der Krankheit etwa 12 Jahre vergehen.
Die Warnungen vor der Krankheit wurden daher in vielen
Ländern zunächst nicht ernst genommen, zumal damit
der weithin tabuisierte Sexualbereich berührt wird. Vielfach meinte
man auch, daß die Krankheit auf Homosexuelle, Drogensüchtige
und Prostitutierte beschränkt sei, die es im eigenen Land nicht
gäbe oder mit denen «anständige Bürger» nichts
zu tun hätten. Auch hat es in vielen Ländern seitens der Kirchen,
religiösen Führer und der entsprechend orientierten Politiker
Widerstände gegen entsprechende Informationen in der Öffentlichkeit
gegeben und gibt es heute bisweilen immer noch welche, zumindest gegen
Informationen an Schulen. Im übrigen sind in Subsahara-Afrika und vielen anderen Entwick-lungsländern auch traditionelle Geschlechtskrankheiten wie Syphillis verbreitet, ebenso die Unkenntnis über deren Symp-tome und die Scham wegen Unterleibssymptomen einen Arzt aufzusuchen, wenn es einen gibt. Unbehandelt führen diese Krankheiten zu verschiedenen Beschwerden und zum Teil auch zu einem vorzeitigen Tod. Anfang der 90er Jahre starben daran in den Entwicklungsländern jährlich etwa eine Million Menschen, was damals noch mehr waren als an AIDS. Die Ausbreitung von AIDS ist nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern für viele Entwicklungsländer - vor allem in Subsahara-Afrika - auch eine soziale und wirtschaftliche Katastrophe. Der größte Teil der Infizierten stirbt im Alter der besten Schaffenskraft, und der Unterhalt für die Waisenkinder muß dann von anderen erwirtschaftet werden. Außerdem sind die Bewohner der Städte besonders betroffen, d.h.überwiegend Menschen, die bereits eine Schulbildung gehabt haben und viele, die auch eine Ausbildung in Berufen hatten, die von grundlegen-der Bedeutung für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung sind wie Lehrer/innen und Gesundheitspersonal. Die betroffenen Länder werden dadurch über Jahre und Jahrzehnte in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Auch hätte man die Mittel, die nun für die Aufklärung über AIDS und die Prävention mittels Kondomen ausgegeben werden, ohne die Krankheit für den Ausbau des allgemeinen Gesundheits- und Bildungswesens verwenden können.
zurück zur ÜbersichtWege zur Lösung Unter den Verhältnissen der Entwicklungsländer ist dies jedoch alles gar nicht einfach, selbst wenn es keine Widerstände seitens der Kirchen und Politik mehr gibt. Schließlich können in den meisten Ländern große Teile und in Extremfällen bis zu etwa 80% der Bevölkerung nicht lesen und haben überwiegend auch keinen Zugang zu Radio- oder Fernsehsendungen. Vielfach ist der gesamte Sexualbereich auch stark tabuisiert (Weiteres unter «Vermeidung von zu frühen Schwangerschaften»), und es ist nicht immer einfach, Kondome verfügbar zu machen. Auch werden frühe Todesfälle im Buddhismus und Hinduismus weithin als Folge von Verfehlungen in einem früheren Leben gesehen und in den animistischen Kulturen Afrikas als Folge von unzureichender Ahnenverehrung oder Verwünschungen und Hexerei durch Menschen des persönlichen Umfeldes. Zumindest in Teilen Westafrikas geht auch das Gerücht: «Die Krankheit gibt es gar nicht. Das ist alles nur eine Geschichte der Weißen, die ihre Kondome verkaufen und uns die Freude an der Sexualität nehmen wollen». ![]() Männer in Togo staunen über Kondome, die sie zum ersten Mal gezeigt bekommen (Foto: Agnes Schmidt) Es muß daher gründlich überlegt und geprüft werden, wie man die Menschen jeweils am besten mit den nötigen Informationen erreichen und überzeugen kann. Auch müssen die Jugendlichen auf eine ihnen gemäße Art angesprochen werden. Aufgrund star-ker Schamgrenzen zwischen den Generationen und des Fehlens einer Aufklärung durch die Eltern hat sich in vielen Gesellschaften ein Einsatz von Gleichaltrigen für die Erstaufklärung als unabding-bar erwiesen. Diese «Informanten» müssen aber erst entspre-chend ausgebildet und ihr systematischer Einsatz organisiert werden (s. Näheres unter «Vermeidung von zu frühen Schwan-gerschaften») | |||
![]() Informationen über die Ansteckungswege von HIV/AIDS für Jugendliche: Sexualverkehr, blutbehaftete Gegenstände, Schwangerschaft. Quelle: Informationsblatt für Jugendliche aus dem von «Lebenschancen» finanzierten Jugendinformationszentrum in Burkina Faso | |||
| Es geht um einen Wettlauf mit der Zeit, um eine weitere Ausbrei-tung
zu vermeiden. Immerhin können einige Länder
Afrikas, die schon vor Jahren mit intensiven Informationsmaßnahmen
von den Schulen bis in die Öffentlichkeit hinein begonnen haben,
wie z.B. Uganda inzwischen Rückgänge bei
der Zahl der Neuinfektio-nen vermelden. Lebenschancen International bezieht die Informationen über die Ansteckungswege von HIV/AIDS und Geschlechtskrankheiten in allen größeren Projekten, einschließlich denjenigen zur Jugend-aufklärung, mit ein. Soweit nicht anderweitig erhältlich, werden dabei auch Kondome zu subventionierten Preisen abgegeben, die die Menschen bezahlen können. |
|||