Bisherige Projekte
 
 
  Peru: seit 2007
  Togo: 2003-07
  Paraguay: 2003-05
  Nepal: seit 2000
  Burkina Faso: 1999-2001
  Benin: 1997-2000
  Paraguay: 1993-96


  Kleinförderungen:
  Togo 2000
  Tanzania 1997
  Malawi 1995-98
 

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Peru

seit 2007
Vermeidung von ungewollten Schwangerschaften,
Missbrauch und Vergewaltigung von Kindern und
Jugendlichen; Prävention und Bestrafung von Gewalt
an Frauen sowie Betreuung der Opfer


Praktisch alle Jugendlichen und Erwachsenen in den Projektorten dürften durch die Informationsmaßnahmen zur Vermeidung von ungewollten Schwan­gerschaften, Missbrauch und Vergewaltigung erreicht worden sein, entweder durch Vorträge, Gesprächskreise und Einzelberatungen oder über Radio-Sendungen. Ebenso wurden zahlreiche Verantwortliche ziviler und öffentlicher Einrichtungen zum Thema "Gewalt an Frauen" und zur Notwendigkeit einer strafrechtlichen Verfolgung der Täter sensibilisiert.

 

 


 
Landesansicht von Peru mit der
Großstadt Trujillo, in der die aktuellen
Projekte durchgeführt werden.

Bisherige Projektorte in Peru
mit den beiden Orten in den Anden.

 

      Zur Situation des Landes
            •  Einkommen und Armut
            •  Analphabetismus
            •  Geburtenzahl und Bevölkerungswachstum
      Projekte zur Vermeidung von ungewollten
      Schwangerschaften, Missbrauch und Vergewaltigung
      von Kindern und Jugendlichen
            •  Hintergründe
            •  Maßnahmen
                      1. Projekt in den Anden
                      2. Projekt in den Anden
                      Projekt in der Großstadt Trujillo
            •  Ergebnisse
      Projekt zur Prävention und Bestrafung von Gewalt
      an Frauen sowie zur Betreuung der Opfer
            •  Hintergründe
            •  Maßnahmen
            •  Ergebnisse
      Fortsetzung der Aktivitäten und wofür Sie spenden können
 


     Zur Situation des Landes
 
          Einkommen und Armut

Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf betrug in Peru 2010 - nach Kaufkraftparitäten im Verhältnis zum US-Dollar - 9.540 US $. Diese Einkommen sind dort in den vergangenen acht Jahren durchschnittlich um 10 % pro Jahr gestiegen. Damit ist Peru von einem der ärmsten Länder Südamerikas vor noch 10 Jahren zu den Ländern mit mittleren Einkommen aufgerückt. Sie betrugen damit mindestens das Achtfache der Pro-Kopf-Einkommen in den Projektländern Nepal, Burkina Faso und Togo, aber erst etwa ein Viertel der - gemessen nach Kaufkraftparitäten zum Dollar - 37.360 $ pro Person und Jahr in Deutschland.

Sowohl bei den Einkommen als auch den sozialen Diensten
gibt es in Peru jedoch sehr große Unterschiede zwischen Stadt und Land bzw. insbesondere den Bergregionen der Anden. Auch innerhalb der Städte gibt es oft starke Unterschiede zwischen Wohnvierteln.
 
          Analphabetismus

2007 - als dem bisher jüngsten Jahr mit entsprechenden Er­hebungen - waren nur noch 5 % der männlichen und 15 % der weiblichen Bevölkerung über 15 Jahren Analpha­beten. Dabei handelt es sich vornehmlich um Menschen in entlegenen Bergdörfern, die erst spät Schulen erhalten haben.

   
 
Blick auf den ersten Projektort in den Anden Huamachuco (links) und La Cuesta, das zentrale Dorf des zweiten Projekts in einem Talkessel (rechts). Dieses war bei starken Regenfällen während des Projekts öfter von der Außenwelt abgeschnitten. (Fotos: NRO Manuela Ramos und Micaela Bastidas) 

 
Frauen und Kinder im Warteraum der einfachen
Gesundheitsstation in einem der Projektdörfer in
den Anden. Es gibt eine Krankenschwester,
aber weit und breit keinen Arzt.

Straße im Armenviertel des Projekts in Trujillo.
Im Vordergrund eine Frau, die mit ihrem Kind
auf dem Rücken auf Kundschaft für Imbisse
aus ihrer kleinen Garküche hofft.

(Fotos: NRO Micaela Bastidas) 
 
 
          Geburtenzahl und Bevölkerungswachstum

Nach den derzeitigen Gegebenheiten werden die 15-30-jährigen Frauen bis zum 49. Lebensjahr im Durchschnitt nur noch 2,6 Lebendgeburten pro Frau haben (demographisch = Gesamt­fruchtbarkeitsrate). Die Bevölkerung wuchs 2010 um 1,5 %.
Dies ist bereits weniger als die höchsten Werte von 1,6-1,8 %,
die die Länder Westeuropas während der Industrialisierung bzw. jemals hatten. Da die Geburtenzahlen pro Frau in Peru in den vergangenen 25 Jahren aber wesentlich höher waren und da-
mit in den kommenden Jahren noch starke Jahrgänge ins fort­pflanzungsfähige Alter kommen, wird sich die Bevölkerung wahr­scheinlich in etwa 45 Jahren verdoppeln und erst danach nur noch wenig oder nicht mehr wachsen.

(Quellenangaben zu allen Daten finden Sie hier.)

 
   
       Projekte zur Vermeidung von ungewollten
     Schwangerschaften, Missbrauch und
     Vergewaltigung von Kindern und Jugendlichen

 
          Hintergründe
              Viele ungewollte Schwangerschaften,
              insbesondere von Jugendlichen,
              verbreiteter Missbrauch und Vergewaltigung               sowie fehlende Aufklärung


In der Projektregion La Libertad im Norden Perus haben 36 %
der Mädchen bis zum 19. Geburtstag ein Kind
, das bei der
über­wiegenden Mehrzahl ungewollt und unehelich ist.

Allgemein herrscht unter der jungen Bevölkerung eine hohe Un­wissenheit über Sexualität, Verhütungsmethoden und durch Sexualkontakte übertragene Krankheiten. Es gibt keinen Sexualkunde-Unterricht und kaum Einrichtungen, bei denen
man sich über Fragen der sexuellen und reproduktiven Gesund­heit informieren könnte. Und wenn es welche gibt, ist für Jugend­liche die Hemmschwelle, die offiziellen Beratungsdienste des Ge­sundheitswesens zu den weithin noch schambehafteten Themen aufzusuchen, sehr hoch.

Missbrauch und Vergewaltigung von Kindern und Jugendlichen sollen verbreitet sein.
 
          Die Maßnahmen
              Hilfe durch entsprechende Schulungen
              von Jugendlichen und Gesundheitsberaterinnen
              sowie Aufklärungsmaßnahmen


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«Wofür Sie spenden können»
- Maßnahmen in Peru


 
  In den Jahren 2007 bis 2011 hat Lebenschancen International drei entsprechende Projekte mit lokalen Trägern in der nörd­lichen Region La Libertad von Peru durchgeführt.
 
   
 
              1. Projekt in den Anden

2007/2008 finanzierte Lebenschancen International in Huama­chuco, einer Kleinstadt in den nördlichen Anden sowie in einem Nachbardorf Maßnahmen für einen Einstieg in die Probleme bei Kindern und Jugendlichen. Es handelte sich um Selbsterfah-
rungsgruppen mit Befragungen von 12-14-jährigen Schülern und Schülerinnen
über ihr Wissen und etwaige Probleme oder Ängste im Sexualbereich.

Als größte Probleme wurden - noch vor frühen, ungewollten Schwangerschaften - die Möglichkeiten von Missbrauch und Vergewaltigungen genannt. Diese sind allerdings auch eine Ursache vieler früher, ungewollter Schwangerschaften. Auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse konnten Maßnahmen
zur Wahrung und Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit der Jugendlichen in den Schulen abgeleitet werden.
 
 

12-14-jährige Schülerinnen haben im Rah­men einer Selbsterfahrungsgruppe auf einen Zettel geschrieben, was ihre etwaigen Proble­me oder Ängste im Sexualbereich sind.
(Foto: NRO Manuela Ramos) 


 
                2. Projekt in den Anden

2009 übernahm Lebenschancen International die Finanzierung der Entwicklung von Schulungsmaterialien und Schulungen zu den Problemen, ihrer Vermeidbarkeit und der Notwendigkeit von Anzeigen von Übergriffen in drei kleinen Bergdörfern mit einigen Streusiedlungen in den Anden. Es wurden 70 Schüler/innen für die Aufklärung von Gleichaltrigen ausgebildet sowie Erwachsene aus verschiedenen Gruppen und Institutionen für die Weitergabe des entsprechenden Wissens und Beratungen in ihrem Umfeld. Die mehrtägigen Seminare schlossen auch die Geschlechter­beziehungen bzw. die Probleme des «Machismo» ein.

Außerdem wurde ein Komitee von Ansprechpartner/innen
für Fälle von Missbrauch und Vergewaltigungen
sowie deren Anzeige gebildet. Des Weiteren wurde ein Raum in einem Gebäude der Gemeinde für Treffen, Gesprächskreise und Einzelberatungen durch Jugendliche eingerichtet und mit
einigen Lern- und Lesematerialien ausgestattet.

Neben diesen Maßnahmen für die ca. 600 Jugendlichen und Erwachsenen der Bergdörfer wurden 12 Rundfunksendun-
gen
zu den Problemen und der Illegalität von Missbrauch und Vergewaltigung unter dem Obertitel «Trau Dich zu fragen» konzipiert und in der Region mit ca. 10.000 Hörer/innen aus-
gestrahlt.
 
              Projekt in der Großstadt Trujillo

2010/2011 wurde ein ähnliches Projekt - einschließlich der Rundfunksendungen und der Einrichtung eines «Jugend­raumes» - in einem Armenviertel der Großstadt Trujillo durchgeführt und durch weitere Maßnahmen ergänzt.

Dort gibt es ein System von ehrenamtlichen Laien-Gesund­heitsberaterinnen, die Sprechstunden halten und bei Bedarf
die Familien aufsuchen. Diese hatten bisher aber keine Aus­bildungen bezüglich der Probleme riskanter und ungewollter Schwangerschaften und ihrer Vermeidbarkeit sowie keine über die Illegalität von Missbrauch und Vergewaltigungen. Im Rahmen des Projekts haben die 26 Beraterinnen - neben 24 Jugend­lichen - entsprechende Schulungen erhalten. Außerdem wurden Poster und Faltblätter entwickelt und verteilt, in denen auf das "Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit" und die gegebenen Bera­tungsmöglichkeiten verwiesen wird.

 
Interessierte Schülerinnen und
Schüler werden in dem «Jugendraum»
in Lernmaterialien eingeführt.
 



Ein Text über die Probleme früher Schwan­gerschaften und ihre Vermeidbarkeit geht in dem lokalen «Studio» auf Sendung.
 



Eine Gesundheitsberaterin erläutert einer über 40-Jährigen, die keine Kinder mehr möchte, die Entstehung von Schwanger­schaften. Ausführungen zu den Verhütungs­möglichkeiten folgten.
(Fotos: NRO Micaela Bastidas) 

 

Eine im Rahmen des Projekts ausgebildete
Jugendaufklärerin erläutert ihren Zuhörerinnen
die verschiedenen Verhütungsmittel.
.

 
Ausgebildete Jugendaufklärer/innen mit ihrer Dozentin bei einem Besuch unseres Mitglieds Andrea Bendl (im Vordergrund).
(Fotos: NRO Micaela Bastidas und Andrea Bendl) 
 
              Die Ergebnisse

Insgesamt wurden 94 Jugendliche für die Aufklärung geschult, die inzwischen etwa 4.000 Gleichaltrige informiert und beraten haben dürften. Dies wird dadurch begünstigt, dass sowohl am zentralen Ort der Bergdörfer als auch in einer Gesundheitssta-
tion des Armenviertels von Trujillo ein Raum speziell für diese Aktivitäten der Jugendlichen zur Verfügung gestellt und im Rahmen der Projekte entsprechend ausgestattet wurde.

Die insgesamt 35 erwachsenen Gesundheitsberaterinnen und Vertreterinnen von Frauengruppen betreuen - einschließlich der Bergdörfer - ca. 4.500 Familien mit mindestens 13.000 Jugend­lichen und Erwachsenen.. Auch dürften mindestens 15.000 Personen die ausgestrahlten Rundfunksendungen gehört haben, wovon die überwiegende Mehrheit Mädchen und Frauen waren. Es könnten auch viel mehr gewesen sein.

 
 
   
     Projekt zur Prävention und Bestrafung von Gewalt
     an Frauen sowie zur Betreuung der Opfer

 
          Hintergründe
              Verbreitete physische und
              psychische Gewalt an Frauen

 
Die 24 jugendlichen und 26 erwachsenen Gesundheitsinfor­mant/innen, die im Rahmen des vorgenannten Projekts für Aufklärungsmaßnahmen in einem Armenviertel von Trujillo ausgebildet wurden, wurden bei ihren Beratungen häufig mit Fällen sexueller, anderer physischer und psychischer Gewalt an Mädchen und Frauen konfrontiert. Dabei hat sich auch ge-
zeigt, dass viele Frauen die Gewalt der Männer gegen sie als etwas «Natürliches» ansehen, gegen das sie nichts tun können. "Die Männer sind doch alle so, und das ist unser Schicksal",
heißt es zum Beispiel.

Selbst wenn die Frauen wissen, dass die Gewalt strafrechtlich nicht zulässig ist, haben die meisten Angst, solche Übergriffe anzuzeigen. Viele befürchten eine Rache des Mannes oder dass die Aussagen des Mannes vor Gericht - wie bisher so oft - höher bewertet werden als ihre eigenen.

Dass sehr viele Frauen in Peru durch Gewalt durch den Partner betroffen sind, hat sich auch bei Befragungen gezeigt, die in neun Entwicklungs­ländern auf drei Kontinenten sowie in Serbien und Montenegro durchgeführt wurden. Danach waren die Frauen im ländlichen Peru mit 70 % am zweithäufigsten von sexueller und anderer physischer Gewalt durch den Mann betroffen und am stärksten von Gewalt während Schwangerschaften (28 %). In den Städten Perus waren es mit 58 % und 15 % auch noch sehr viele. (Quellenangabe dazu hier.)
 
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«Wofür Sie spenden können»
- Maßnahmen in Peru


 
   
          Die Maßnahmen
              Bekanntmachen der Probleme und Schulung
              von Mitarbeiter/innen einschlägiger Einrichtungen
              zur Betreuung der Opfer und Anzeige der Täter


Der örtliche Träger der Projekte, die Frauenförderorganisation "Micaela Bastidas", hat Lebenschancen International einen Vorschlag mit den zuvor genannten Maßnahmen unterbreitet, durch die den Opfern geholfen und die Gewalt an Frauen verringert werden soll. Das entsprechende Pilotprojekt wird
2012 in ganz Trujillo durchgeführt.

Es werden Vertreter/innen aller Einrichtungen aus der Stadt
und dem Landkreis Trujillo
einbezogen, die diesbe­zügliche Aufgaben wahrnehmen sollen. Dazu gehören auch Einrichtun-
gen und Studierende der Universität, die kostenlose Beratungen in den Bereichen Recht, Psychologie und soziale Arbeit anbieten, was in den Armenvierteln aber oft gar nicht bekannt ist.
 
 
 
 

Seminar für Vertreterinnen von Frauenorganisationen aus Trujillo. Sie sollen das dort erworbene Wissen über die Gewalt an Frauen sowie die Möglichkeiten von Beratung und Anzeige in ihren Organisationen weitergeben.
(Fotos: NRO Micaela Bastidas) 
Seminar für Polizist/innen und Jura-Student/-
innen über die verbreitete Gewalt an Frauen und die Notwendigkeit, die Betroffenen zu Anzeigen der Täter zu ermutigen und zu beraten.

 
Außerdem erhalten die Laien-Gesundheitsberaterinnen des Armenviertels des vorhergehenden Projekts eine entsprechen-
de Schulung, damit sie bei ihren Aktivitäten auch von Gewalt betroffene Frauen angemessen beraten und auf die weiteren Hilfsmöglichkeiten verweisen können.

Es wurden Seminare zur Verdeutlichung der Probleme, zum Umgang mit Opfern und zur Notwendigkeit, die Täter anzuzeigen, durchgeführt. Auch wurde ein Handbuch zum Thema "Stärkung der Kompetenzen für die Beendigung der Gewalt an Frauen" entwickelt und den Teilnehmer/innen an den Seminaren und anderen Schlüsselpersonen in den verschiedenen Einrich-
tungen übergeben. Außerdem wurden Faltblätter und Poster über die Unzulässigkeit der Gewalt an Frauen und gegebene Beratungsmöglichkeiten entwickelt und verteilt.

Schließlich wurden 12 Rundfunksendungen speziell zu diesen Themen entwickelt, die seit März 2012 ausgestrahlt werden. Diese sollen nicht nur die Probleme und Hilfsmöglichkeiten bekannt machen, sondern auch entsprechende Diskussionen
in der Öffentlichkeit
anstoßen.

Nun steht noch die Entwicklung konkreter Vorschläge zur Verteidigung der Opfer, eines Unterstützungsnetzwerks
der verschiedenen Einrichtungen sowie eines Instruments
zur Evaluierung der Maßnahmen an.
 
          Die Ergebnisse

Durch das Bekanntmachen der Probleme und die sonstigen Maßnahmen sollen immer mehr Betroffene ermutigt werden, sexuelle oder andere Gewalt des Partners nicht mehr als "gegeben" hinzunehmen, sondern die Beratungsdienste zu nutzen und die Täter anzuzeigen. Sodann wird gehofft, dass aufgrund der angestossenen Diskussionen, von Nachweisen
der körperlichen Schäden durch die Gesundheitsdienste und
von Unterstützungen der Betreuungsdienste immer mehr
Frauen
, die ihre Peiniger angezeigt haben, auch Recht be­kommen. Die Verurteilungen von immer mehr Tätern sollten
dann auch der Abschreckung bzw. Prävention dienen.

 







Titelseite des Faltblattes und Posters.
Text in Deutsch:
Für das Recht auf ein Leben ohne Gewalt.

(Foto: NRO Micaela Bastidas)
 
 
     Fortsetzung der Maßnahmen und
     wofür Sie spenden können


Aufgrund der verbreiteten, gravierenden Probleme möchte der örtliche Träger, die Frauenförderorganisation "Micaela Bastidas", das bereits zweimal erfolg­reich durchgeführte Informationsprojekt für die Vermeidung von unge­wollten Schwangerschaften sowie gegen Missbrauch und Vergewaltigung in weiteren Armenvier­teln von Trujillo wiederholen. Dabei sollen die Gesundheitsbe­raterinnen von Anfang an über die Illegalität jeglicher Gewalt an Frauen und die Möglichkeiten von professionellen Beratungen und Anzeigen der Täter informieren.

Lebens­chancen International will das gerne finanzieren.
Mit Ihrer Spende können Sie dabei helfen!

(Textentwurf : Andrea Bendl)

 
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  Togo

2003 - 2007
Vermeidung ungewollter und riskanter Schwangerschaften sowie von HIV-Infektionen und Förderung der Allgemein- und Gesundheitsbildung bei Jugendlichen und Erwachsenen


 Alle etwa 4.500 15-24-Jährigen in den Projektdörfern dürften mit Aufklärungsmaßnahmen erreicht worden sein - neben einer größeren Zahl Älterer. Der Anteil der Schülerinnen, die schwan- ger wurden, konnte innerhalb von drei Schuljahren um 30 % gesenkt werden und der Anteil der HIV-Infizierten unter den
15-19-Jährigen, die sich testen ließen, von 10 % auf 4 %.

      Die Probleme
      Das Projekt
      Die Ergebnisse
 


     Die Probleme (Stand 2002)

Togo gehört zu den dreißig ärmsten Ländern der Welt. Die Frauen der jüngeren Generation haben im Durchschnitt noch über fünf Lebendgeburten, auf dem Land noch sechs. Die Bevölkerung wuchs damit - trotz einer noch beträchtlichen Kinder- und nun auch AIDS-Sterblichkeit - jährlich um ca. 2,3 %. In den vergange- nen Jahren wuchs sie allerdings um 2,5-2,8 % und wird sich damit in 27 Jahren verdoppeln, wenn die Geburtenzahl pro Frau nicht bald erheblich abnehmen wird.

 

Projektort Apéyémé
in der Präfektur Danyi
 

Kinder, Kinder, Kinder
Sie alle müssen ernährt und gekleidet wer-
den, brauchen eine Gesundheitsversorgung, Schulkleidung und -materialien und später einen Arbeitsplatz. Die dicken Bäuche der Kinder vorne sind Folge einer einseitigen Mehlernährung (aus Maniok), und sie sind damit besonders für Krankheiten anfällig.

(Foto: Gudrun Haupter)

Wie in den meisten «traditionellen Gesellschaften» wird der Sexualbereich auch in Togo stark tabuisiert, d.h. man spricht nicht darüber. Besonders stark sind die Schambarrieren zwi- schen den Generationen. Kinder und Jugendliche werden daher
- außer durch entsprechende Projekte und manchmal schon entsprechenden Unterricht - nicht über die Folgen von Ge- schlechtsverkehr aufgeklärt.

Sie haben aber ihre Gelegenheiten zu diesem, wobei die Mäd- chen oft von Gleichaltrigen oder älteren Männern dazu gedrängt oder mehr oder weniger gezwungen werden. Schließlich müssen sie nach den traditionellen Werten Männern und allen älteren Per- sonen gehorchen! Viele Mädchen werden damit bereits im Alter von 13-18 Jahren ungewollt schwanger. Insgesamt hatten 47 % der Mädchen im Alter von 15-19 Jahren mindestens eine Geburt, davon etwa die Hälfte unehelich und ungewollt, der Rest vorwie- gend nach einer Verheiratung durch die Eltern.

Diese Probleme gab es früher nicht, weil die Mädchen bald nach Eintritt der Menstruation verheiratet wurden. Nun sollen sie jedoch möglichst länger die Schule besuchen, eine Berufsausbildung machen und erst später heiraten. Schwangere Mädchen werden meistens nicht vom Kindsvater geheiratet oder in eine feste Be- ziehung aufgenommen.

Ein uneheliches Kind ist jedoch eine große Schande für die Mädchen. Viele müssen dann die Schule oder eine Ausbildung abbrechen, auch weil die Eltern verlangen, dass sie selbst für ihr Kind sorgen. Ein Teil wird sogar von den Eltern verstoßen. Viele suchen daher «Abhilfe» in Schwanger- schaftsabbrüchen. Diese sind in Togo illegal. Aber es gibt Mög- lichkeiten - vielfach durch Laien - sowie selbstinduzierte Abbrüche mittels Überdosierungen von Medikamenten, die beide oft starke Gesundheitsschädigun- gen oder gar den Tod der Frauen zur Folge haben.

   
Der Anteil der HIV-Infizierten an den 15-49-jährigen Männern und Frauen wird für Togo auf 2,6 % bzw. 4 % geschätzt, wobei sich etwa die Hälfte bereits im Alter von 15 bis 24 Jahren ansteckt (korrigierter Wert von 2006).. Viele Infizierte wissen nicht, dass sie betroffen sind, da es keine entsprechenden Blutuntersuchungen gibt oder sie solche nicht aufsuchen, weil sie im Falle eines «positiven» Ergebnisses einen Ausschluss aus Familie und Dorfgemeinschaft befürchten. Auf diesem Hintergrund wird die Infektion an die Partner/innen übertragen und von den Müttern
bei etwa einem Drittel an die Neugeborenen.
 
     Hilfe durch ein Jugendgesundheitszentrum
     und Aufklärungsmaßnahmen und Kleinkrediten
     für Gesundheitsinformant/innen


In den Städten gibt es zunehmend spezielle Aktivitäten und Einrichtungen für die Jugendaufklärung und Jugendberatung. Aber in den ländlichen Gebieten fehlen diese noch weithin. Lebenschancen International hat daher 2003/04 in einem zen-tralen Dorf in der westlichen Bergregion von Togo - mit einem größeren Zuschuss der deutschen Entwicklungshilfe und beträchtlichen Eigenleistungen der örtlichen Bevölkerung - ein Jugendgesundheitszentrum sowie entsprechende Aktivitäten finanziert..

Die Aktivitäten umfaßten
•  die Ausbildung von 40 Lehrern für Sexualkunde-Unterricht
•  die Ausbildung von zweimal 150 Schüler/innen für die Aufklärung von Gleichaltrigen
•  die Ausbildung von 20 erwachsenen, nebenberuflichen «Gesundheitsinformant/innen» für die umliegenden Dörfer
•  Informationsveranstaltungen in dem Zentrum und 15 umlie- genden Dörfern, Einzelberatungen, gynäkologische Dienste,
die Abgabe von Verhütungsmitteln und - erstmals in der
ganzen Region - Möglichkeiten von HIV-Tests.

 


Lehrer bei einer Ausbildung für Sexualkundeunterricht in dem Zentrum
(Foto: Stefanie Settele)
    

Eine junge Frau in der Beratung Schneider/innen posieren nach einem
über Möglichkeiten der Informationskurs im Zentrum für das Foto -
Empfängnisverhütung und mit dessen Personal und der Vorsitzenden
Prävention von HIV/AIDS im von «Lebenschancen» mit Ehemann -
Gesundheitszentrum.in der von ihnen angefertigten
(Fotos: Ulrich Harsch)afrikanischen Kleidung.



Auch wurde in dem Zentrum eine Bibliothek für die Jugendli- chen eingerichtet und auf dem größeren Gelände, das von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde, ein Platz für Ballspiele sowie Theatervorführungen der Jugendlichen. Diese Möglich- keiten gibt es sonst weit und breit nicht. Die Bibliothek enthält - neben allgemeiner Literatur - auch Schulbücher ab der siebten Klasse. Damit können die vielen Jugendlichen, die kein Geld für den Kauf von Büchern haben und/oder zu Hause keinen Strom, diese in dem großen Raum des Zentrums lesen. Einige machen hier noch abends ihre Hausaufgaben. In Togo wird es ganzjährig zwischen 18 und 19 Uhr dunkel, und die Schulzeit geht oft bis 17 Uhr. Strom gibt es am Ort nur stundenweise, im Zentrum aber auch welchen per Generator.

Die Gesundheitsinformant/innen verkaufen in ihren Dörfern
auch Kondome, die es dort sonst nicht gäbe. Außer über Risi- koschwangerschaften, Empfängnisverhütung, HIV/AIDS und Geschlechtskrankheiteninformieren sie über die Entstehung, Vermeidbarkeit und Behandlungsmöglichkeiten von Durchfall- erkrankungen, Malaria und Kinderlähmung. Damit kommt das Zentrum der gesamten Bevölkerung in der Projektregion zugute.

Die Informant/innen machen diese Arbeiten ehrenamtlich, haben als Belohnung aber Kleinkredite erhalten, damit sie ihre Einkom- men aus ihrem Haupterwerb in Landwirtschaft, Handwerk oder Kleinhandel verbessern können.

Die Dienste stehen auch Erwachsenen offen. Angesichts der starken Schambarrieren gibt es aber spezielle Informationsver- anstaltungen und Beratungszeiten für Jugendliche, d.h. - nach einer Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation - die etwa 15- bis 24-Jährigen. Auch können diese sicher sein, dass ihre Fragen hier ernst genommen werden und die Unverheirateten - im Gegensatz zur Praxis in vielen Gesundheitsstationen - keine moralischen Vorhaltungen bekommen oder sogar abgewiesen werden.

Auszüge aus Ansprachen zur Eröffnung des Zentrums mit einem Foto und Auszüge von Berichten deutscher Besucherin- nen finden Sie hier.

Bau und Ausstattung des Jugendgesundheitszentrums von 90 qm haben - einschließlich einer Lautsprecher-, Fernseh- und Video-Vorführanlage - 29.000 € gekostet, die Ausbildung der 320 Informant/innen und 40 Lehrer - inklusive Schreibwaren sowie zwei Tage Essen und Getränke für alle - 6.030 €. Die Personal- ausgaben für einen Pädagogen und einen Wächter in Vollzeit, eine Hebamme für gynäkologische Untersuchungen und Bera- tungen über Empfängnisverhütung sowie einen Laboranten in Teilzeit beliefen sich für 32 Monate auf 8.623 €. Eine Verschwen- dung kann dabei nicht enthalten sein!

 
     Ergebnisse und Fortsetzung der Aktivitäten

Während der 32 finanzierten Monate der Aktivitäten haben alle Schüler/innen ab der 7. oder 8. Klasse Sexualkundeunterreicht gehabt. 5.300 Personen haben an Filmvorführungen oder Vor- trägen zu Risikoschwangerschaften, Empfängnisverhütung und der Prävention von HIV teilgenommen und 6.600 an Gesprächs- kreisen der Schüler- und Gesundheitsinformant/innen. Damit dürften alle ca. 4.500 15-24-Jährigen in den Projektdörfern erreicht worden sein. An manchen Veranstaltungen haben auch Erwachsene teilgenommen, oder sie richteten sich speziell an diese.

Der Anteil der Schülerinnen, die schwanger wurden, konnte innerhalb von drei Schuljahren um 30 % gesenkt werden. Der Anteil der HIV-Infizierten unter den 15-19-Jährigen, die sich testen ließen, sank von 10 auf 4 %. Dies sind sehr gute Ergeb- nisse; die in den Folgejahren aber noch verbessert werden sollen. Schließlich haben die Infizierten höchstens noch eine Lebenserwartung von etwa 12 Jahren, wenn sie keine anti-retroviralen Medikamente erhalten. Die sind für die dortigen Verhältnisse noch immer relativ teuer, und die meisten kön-
nen sie nicht bezahlen.

Der größte Teil der laufenden Kosten wird seit Mai 2007 vom togoischen Gesundheitswesen getragen, das auch die Leitung des Zentrums übernommen hat. Der Pädagoge ist nur noch bei weiteren Ausbildungen von Lehrern für Sexualkunde-Unterricht sowie Schüler/innen für die Aufklärung im Honorarvertrag tätig. Solche wurden nochmals Anfang 2008 - nun in Finanzierung der Schweizer Umweltorganisation ECOPOP - durchgeführt. Die Ausbildung von Schüler/innen für die Aufklärung soll zukünftig möglichst seitens der ausgebildeten Lehrer gemacht werden.
Die verbleibenden Kosten werden durch Vermietung des gros-
sen Raumes
an die Verwaltung sowie das Gesundheits- und Bildungswesen der Präfektur - für Kurzausbildungen, Prüfungen u.a. - gedeckt.

Das Gesundheitszentrum in Togo hat eine großzügige Unterstützung durch den britischen Spitzensportler und ehemaligen Europameister im 400m Lauf Du'aine Ladejo erhalten, dessen Vater aus Nigeria stammt.
Er hat das gesamte Preisgeld seiner Wahl
zum «BBC-Superstar» des Jahres 2003
über 5.800 € dafür gespendet.

(Foto: privat)

 

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Ehrenamtliche Gesundheitsinformant/innen mit dem Leiter einer Gesundheitsstation vor ihren «Supermärkten» (der offene Stand rechts und links der blaue Schuppen), die sie mit Hilfe von Kleinkrediten des Projekts einrichten konnten (je 70-100 €).
(Foto: Ulrich Harsch)



Schüler/innen des Projektortes danken vor dem Zentrum der wohl ältesten Spenderin von «Lebenschancen», Dr. Hanna Ising (geboren 1902 und Emigrantin in die USA).
(Foto: Stefanie Settele)

 


 
Paraguay

2003 - 2005
Vermeidung ungewollter und riskanter Schwangerschaften sowie von HIV-Infektionen, allgemeine Gesundheitsdienste sowie Förderung von Allgemein- und Berufsausbildungen
- Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Studenteninitiative «Lebens- und Bildungschancen»


 Gesundheitsberatungen und eine Bibliothek werden gut genutzt. Außerdem wurden pro Jahr etwa 2.000 12-19-Jährige mit Aufklärungsmaßnahmen erreicht, was bis Ende 2008 alle 8.000 interessierten Jugendlichen der betreffenden Jahrgänge in dem Projektdistrikt sein sollten.
 
      Die Probleme
      Das Projekt
      Die Ergebnisse
      Unterstützung durch eine Studenteninitiative



     Die Probleme (Stand 2002)

Paraguay war seinerzeit das drittärmste Land Südamerikas
(nach Bolivien und Ekuador), und es gibt - bis heute - in allen Lebensbereichen sehr große Unterschiede zwischen Stadt und Land. Sodann hatte Paraguay mit durchschnittlich 3,8 Geburten pro Frau in der jüngeren Generation und einer bereits stark gesunkenen Kindersterblichkeit mit zuletzt jährlich 2,4 % schon seit vielen Jahren das höchste Bevölkerungswachstum des Subkontinents. Wenn die Geburtenzahl pro Frau nicht bald wesentlich abnimmt, wird sich die Bevölkerungszahl in nur 30 Jahren verdoppeln.

 



Projektort Capiíbary
in der Provinz San Pedro

 
  Junge Mütter mit ihrer Kinderschar in der Projektregion in Paraguay
Es hängt auch von uns ab, ob die Mädchen bereits mit 14, 15 oder 16 Jahren schwanger werden und mit 20 schon drei Kinder haben oder ob sie zunächst einen Beruf erlernen und diesen auch ausüben können.
(Foto: Evi-Kornelia Gruber)
 
Wie in vielen anderen «traditionellen Gesellschaften» ist auch in Paraguay der ganze Sexualbereich stark tabuisiert. Insbeson- dere auf dem Land werden die Jugendlichen daher nicht über die möglichen Folgen von Geschlechtsverkehr aufgeklärt und schon gar nicht über Möglichkeiten einer Empfängnisverhütung, die es allerdings auch erst seit kurzer Zeit gibt. Viele Mädchen werden daher schon in sehr jungen Jahren schwanger: 40 % bekamen bereits im Alter von 15-19 Jahren ein Kind, manche sogar noch früher.

Schwangere Mädchen werden meistens nicht vom Kindsvater geheiratet oder in eine feste informelle Beziehung aufgenommen. Ein uneheliches Kind ist aber eine große Schande für die Mäd-chen. Es gibt daher riesige Probleme mit diesen ungewollten frühen Schwangerschaften und deren Beendigung durch «Hinter-hofabtreibungen». Auch sind Geschlechtskrankheiten und Gebär-mutterhalsentzündungen verbreitet, und die Immunschwäche-krankheit HIV/AIDS breitet sich mangels Aufklärung immer mehr in der Bevölkerung aus. Dabei infiziert sich etwa die Hälfte der Betroffenen noch vor dem 25. Lebensjahr.

Im übrigen gibt es in vielen ländlichen Gebieten kaum Möglich-
keiten von Berufsausbildungen.

 
     Hilfe durch Bau und Ausstattung eines
     Jugendgesundheits- und Bildungszentrums
     sowie Aufklärungsmaßnahmen


Lebenschancen International hat 2003/04 im Distrikt Capiíbary in der Provinz San Pedro - mit einem beträchtlichen Zuschuss der deutschen Entwicklungshilfe und der unentgeltlichen Mitarbeit von Maurerlehrlingen - Bau und Ausstattung eines Gesundheits- und Bildungszentrums für Jugendliche finanziert. Dieses enthält zwei Räume für medizinische Untersuchungen und Beratungen, einen Lese- und Schulungsraum mit einer Bibliothek sowie eine Schrei- nerwerkstatt mit einem Lagerraum. Außerdem wurde für größere Informationsveranstaltungen, Sport und kulturelle Aktivitäten eine an zwei Seiten offene Halle mit einem Bogendach und gestaffel- ten Zuschauerbänken gebaut.

   
 


Die alte, sehr bescheidene Gesundheitsstation,
die nicht einmal Wasseranschluss hatte.

(Foto: Fundacion Ricardo Boettner, Paraguay)
 

Das von «Lebenschancen» finanzierte Jugendgesund- heits- und Bildungszentrum, das zwei Räume für die Gesundheitsdienste enthält und Wasseranschluss hat.

In die alte Gesundheitsstation kam einmal monatlich ein Arzt,
und in der Zwischenzeit gab es bei dringenden Gesundheitspro- blemen nur die Möglichkeit von Busfahrten in die 65 km entfernte nächste Kleinstadt. In das neue Zentrum kommt seit 2006 wö- chentlich ein Arzt, außerdem monatlich eine Gynäkologin und manchmal auch ein Augen- und ein Zahnarzt. Die beiden ersteren werden vom staatlichen Gesundheitswesen gestellt, die beiden anderen kommen ehrenamtlich aus der Hauptstadt. Diese Dienste stehen der gesamten Bevölkerung zur Verfügung.

Im Rahmen der Baumaßnahme wurde - erstmals in der gan-
zen Region, wo die ärmere Mehrheit nur Holzhäuser hat - eine Ausbildung von Maurerlehrlingen organisiert. Diese wurde von 21 der 33 ursprünglich Interessierten erfolgreich abgeschlossen. Dafür haben die Lehrlinge unentgeltlich beim Bau mitgearbeitet. Sodann wurden 2005 erstmals acht Jugendliche vom Projektort zu Schreiner/innen ausgebildet, darunter zwei Mädchen. Dies
war allerdings nur im Rahmen eines Sonderkurses in der Voll- zeitberufsschule in der 250 km entfernten Hauptstadt möglich. Die Ausgebildeten nutzen inzwischen die Schreinerwerkstatt für Auftragsarbeiten. Weitere Ausbildungen sollen folgen.

2005 wurden in dem Zentrum 90 Jugendliche für die Aufklärung von Gleichaltrigen über die Entstehung von Schwangerschaften, Möglichkeiten der Empfängnisverhütung und eine verantwort-
liche Sexualität ausgebildet und 25 für Informationen über die Ansteckungswege von HIV/AIDS und Geschlechtskrankheiten sowie deren Prävention.

Diese Informant/innen sowie einzelne Lehrer führen seitdem in dem Zentrum und den Schulen des Distrikts Informationsver-
anstaltungen zur Wahrung der Gesundheit
der Jugendlichen durch. Diese beziehen sich auf die Gefahren von Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsum sowie die Probleme früher Schwangerschaf- ten, Möglichkeiten der Empfängnisverhütung, das Recht der Mäd- chen, «Nein» zu sagen, sowie die Ansteckungswege und Prä- vention von HIV/AIDS. Dabei sind die Veranstaltungen in dem Zentrum insofern wichtig, als höchstens 60 % der Kinder die Schule über die fünfte Klasse hinaus besuchen und dies meistens nur für drei weitere Jahre. Ein Großteil kann daher - gerade dann, wenn immer mehr erste Sexualkontakte haben - nicht über die Schulen erreicht werden.

Schließlich wurden Selbsterfahrungsgruppen zur Stärkung des meist geringen Selbstwertgefühls der Jugendlichen sowie zur Selbstorganisation in Jugendgruppen geboten. Diese haben dazu geführt, dass einige Jugendliche die Bibliothek in Eigen-
regie verwalten, Müllsammlungen und Baumpflanzungen orga-
nisieren und sich für die Anerkennung des nächsten Berges als Naturschutzgebiet einsetzen. Auch stehen der Schulungsraum und die Halle allen Jugendgruppen des Distrikts für Treffen und Aktivitäten zur Verfügung.

Das Projekt hat - einschließlich des Baus des Zentrums mit einer Grundfläche von 200 qm sowie der Halle mit einer Fläche von 444 qm - 65.000 € gekostet. Eine Verschwendung kann dabei nicht enthalten sein!

 
Der 18jährige Nelson wurde im Rahmen der Baumaßnahme zum Maurer ausgebildet (3. von rechts vor dem Holzhaus der Familie). Die Familie hat zehn Kinder. Nelson will es einmal besser und nur drei Kinder haben.
(Foto: Fundacion Ricardo Boettner, Paraguay)
 


Gruppenarbeit im Rahmen
der Ausbildung von Jugend-
aufklärer/innen im Zentrum
(Fotos: Fundacion Ricardo Boettner, Paraguay)


Eltern und Jugendliche bei einem
Vortrag über die Wichtigkeit einer Berufsausbildung und Wahrung der Gesundheit der Jugendlichen.

 
     Ergebnisse und Fortsetzung der Aktivitäten

Die Gesundheitsdienste und die Bibliothek werden gut genutzt, letztere auch vielfach von Lehrern. Außerdem wurden pro Jahr etwa 2.000 12-19-Jährige des Projektdistrikts mit Aufklärungs- maßnahmen erreicht, was bis Ende 2008 alle 8.000 interes-
sierten Jugendlichen der betreffenden Jahrgänge sein sollten.

Leider hat es hier Widerstände des örtlichen Pfarrers gegeben, der zunächst das Projekt befürwortet hatte. Die Aufklärungs-
maßnahmen konnten erst durchgeführt werden, nachdem sich die Schuldirektoren und viele Lehrer dafür stark gemacht haben und zu der Zeit eine Zwölfjährige am Projektort ein Kind bekom-
men hat. Die katholische Kirche hat in ihren Schulen in dem Projektdistrikt dann ebenfalls Aufklärungsunterricht eingeführt, allerdings nur solchen nach der Lehre des Vatikans. In dem Zentrum dürfen jedoch keine Verhütungsmittel verkauft werden. Es gibt aber welche in einer Apotheke und anderen Läden. Nach den Aussagen von Lehrern hat sich die Zahl der Schülerinnen, die schwanger werden, jedenfalls deutlich verringert.

Das Gesundheitspersonal wird weiterhin vom paraguayischen Staat gestellt. Die Bibliothek wird von einzelnen Jugendlichen unentgeltlich verwaltet, der Strom für die Werkstatt von den Schreinern bezahlt und sonstige Kosten aus der gelegentli-
chen Vermietung des Schulungsraumes und der Halle an die Gemeinde, Organisationen und Vereine der Region. Dabei hat die Gemeindeverwaltung in der Halle erstmals das Jahres-
budget öffentlich vorgestellt, nachdem sie selbst keine solche Räumlichkeit für viele Menschen hat.


     Unterstützung des Projekts durch
     Stipendiaten der Friedrich Naumann Stiftung


Die Arbeitsgruppe «Lebens- und Bildungschancen» von Stipendi- aten der Friedrich Naumann Stiftung hat den gesamten Eigenbei- trag von Lebenschancen International zu dem Projekt über 13.500 € eingeworben. Näheres unter www.lebenschancen.org.



(Foto: Eike Messow)

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Nepal

seit 2000
Verbesserung der «reproduktiven» und allgemeinen Gesundheit, Vermeidung ungewollter und riskanter Schwan­gerschaften sowie Rechte und Einkommen für Frauen


Die Dienste einer in den Jahren 2000/01 gebauten Frauen­gesundheitsstation wurden anfangs jährlich von etwa 2.000 Menschen genutzt, in den letzten Jahren noch von ca. 1.300.
15-20 % kamen wegen Beratungen zur Familienplanung oder dem Bezug von Verhütungsmitteln. An den Informationsver­anstaltungen über Risikoschwangerschaften, Empfängnis­verhütung und die Prävention von HIV/AIDS haben über 5.000 Menschen teilgenommen. Jeweils drei Viertel waren Frauen.

Sodann haben 2009/10 - im Rahmen der Aktivitäten eines zuvor gebauten Frauenbildungszentrums - fast 1.200 Personen an Kursen oder Vorträgen über weitere Gesundheitsfragen teil­genommen, 900 an Veranstaltungen über die Menschen- und Frauenrechte und 1.300 an solchen über einfache Erwerbs­möglichkeiten. Davon waren 80-94 % Frauen.


      Zur Situation des Landes
            •  Einkommen und Armut
            •  Analphabetismus
            •  Geburtenzahl und Bevölkerungswachstum
      Projekt Förderung von Frauengesundheit
      und Familienplanung
            •  Hintergründe
            •  Maßnahmen
            •  Ergebnisse
      Projekt Förderung von Erwerbsmöglichkeiten und Rechten
      für Frauen sowie der allgemeinen Gesundheit
            •  Hintergründe
            •  Maßnahmen
            •  Ergebnisse
      Fortsetzung der Aktivitäten und wofür Sie spenden können
 


     Zur Situation des Landes
 

 


Der Projektort Thecho
im Kathmandutal

            Einkommen und Armut

Soweit Daten vorliegen, gehört Nepal 2010 - ebenso wie die Projektländer Burkina Faso und Togo - zu den 25 ärmsten Ländern der Welt und ist eines der ärmsten Länder in Asien.
Das Bruttonationaleinkommen betrug pro Kopf 2010 - unter Berücksichtigung der Kaufkraftparitäten im Verhältnis zum US-$
- knapp 1.200 $, d. h. pro Monat 100 $. Dabei sind diese Pro-
Kopf-Einkommen in den vergangenen acht Jahren aber um durchschnittlich 5 % pro Jahr gestiegen. Auch gibt es große Unterschiede bei den Einkommen bzw. im Armutsgrad der Familien zwischen Stadt und Land sowie innerhalb der Städte.
 
          Analphabetismus

Im Jahr 2007 - als dem bisher jüngsten Jahr mit entsprechen-
den Erhebungen - waren noch 30 % der männlichen und 56 % der weiblichen Bevölkerung über 15 Jahren Analphabeten. Der letztere Wert lag in Nepal vor 30 Jahren aber noch bei 93 %! Inzwischen wurden viele Schulen gebaut. Auch werden nun immer mehr Mädchen eingeschult. Von den 15-24-jährigen Mädchen und Frauen können noch 25 % nicht lesen und schreiben. Es handelt sich vor allem um solche in entlegenen Dörfern in den Bergen, in denen es noch immer nicht überall Schulen gibt und sofern doch, eine Schulbildung für Mädchen
oft noch nicht für wichtig gehalten wird.

 
Kinder in einem Slum der Hauptstadt Kathmandu: In die Slums kommen viele Menschen aus armen Bergregionen oder dem Norden Indiens in der Hoffnung, hier eine bezahlte Arbeit und bessere Lebens­verhältnisse zu finden. Oft müssen sie jedoch lange darauf warten. Zeitweilig wurden im Rahmen des Projekts von "Lebenschancen" in einigen Slums Gesundheitsberatungen und solche zur Empfängnisverhütung geboten.
(Foto: Panna Tuladhar) 
 
Frauen in einem Hof des Projektortes beim Spinnen von Wolle. Wie in Nepal traditionell üblich, sitzen sie auf Kissen auf dem Boden.
(Fotos: Dr. Ilse-Dore Schütt, Dr. Gudrun Eger-Harsch) 
Statt die Schule zu besuchen, müssen diese Mädchen Ziegen hüten. Mit einer Ziege auf dem Arm posieren sie für die Touristen und bitten dann um Geld für die «Fotogenehmigung».

 
          Geburtenzahl und Bevölkerungswachstum

Nach den derzeitigen Gegebenheiten werden die 15-30-jährigen Frauen bis zum 49. Lebensjahr noch 3,0 Lebendgeburten pro Frau haben (demographisch = Gesamtfruchtbarkeitsrate). Dies ist ein Rückgang um 53 % innerhalb von 30 Jahren und die stärkste Abnahme von allen Projektländern von «Lebenschan­cen». Vor allem in den Städten sind hier viele Menschen für eine Beschränkung auf nur zwei Kinder aufgeschlossen. Der absolute Wert ist im Projektland Peru mit 2,6 Lebendgeburten allerdings noch einiges niedriger.

Ein besonderes Problem ist dabei, dass hier immer noch über die Hälfte der Mädchen früh verheiratet wird und spätestens bis zum 19. Geburtstag mindestens ein Kind hat, weil der Mann und dessen Familie baldmöglichst den «Fruchtbarkeitsnachweis» und einen Sohn haben möchten. Auch dies gilt verstärkt für die Landbevölkerung. Ein Sohn wird im Hinduismus u. a. für die Verbrennung der toten Eltern und die Befreiung von deren Seele dabei benötigt.

Die Bevölkerung wuchs in Nepal 2010 um 1,9 %, nachdem es zehn Jahre früher noch 2,3 % waren. Auch die 1,9 % sind noch etwas mehr als die höchsten Werte von 1,6-1,8 %, die die Länder Westeuropas während der Industrialisierung bzw. jemals hatten. Da die Geburtenzahlen pro Frau in Nepal in den vergangenen 25 Jahren aber wesentlich höher waren und damit in den kommen­den Jahren noch starke Jahrgänge ins fortpflanzungsfähige Alter kommen, wird sich die Bevölkerung wahrscheinlich in etwa 37 Jahren verdoppeln und erst danach nur noch wenig oder nicht mehr wachsen.
 
Im übrigen war die Einwohnerzahl pro Hektar bewirtschaftbare Landfläche schon 1998 mehr als doppelt so hoch wie in Indien und Pakistan und wurde in Afrika nur von drei Ländern etwas übertroffen. (Quellenangaben zu allen Daten finden Sie hier.)

   

 
     Projekt Förderung von Familienplanung
     und Frauengesundheit

 
          Hintergründe
              Hohe Müttersterblichkeit, Mangel an Diensten für
              Frauengesundheit sowie an Informationen über riskante
              Schwangerschaften und Empfängnisverhütung


Als Lebenschancen International im Jahr 1999 zusammen mit der nepalischen Trägerorganisation «People in Need» den Bau einer Frauengesundheitsstation mit entsprechenden Informa­tionsmaßnahmen und Beratungen in einem Dorf, das nur ca.
12 km von der Hauptstadt entfernt ist, konzipiert hat, war die Müttersterblichkeit in Nepal noch eine der höchsten der Welt. Ein Grund dafür war, dass es außerhalb der größeren Städte kaum Entbindungsstationen gab und schon gar keine Kranken­häuser, die bei Geburtskomplikationen allein die nötigen Dienste zur Rettung des Lebens der Mutter bieten.

Auch gab es außerhalb der Städte kaum Informationen über altersbedingte Risikoschwangerschaften und -geburten, die ohne klinische Versorgung oft tödlich sind, und kaum Empfäng­nisverhütungsmittel zu deren Vermeidung. Ein besonderes Problem sind dabei die häufigen frühen Schwangerschaften und Geburten. Je früher junge Frauen unter 20 ein Kind bekommen, um so größer ist das Geburtsrisiko, vor allem falls sie erst 13, 14 oder 15 Jahre alt sind und das Becken noch nicht hinreichend ausgewachsen ist.

Die 49-jährigen Frauen hatten damals im Durchschnitt noch 4,5 Geburten, in den Städten waren es aber schon weniger als vier und in den Dörfern andererseits fünf oder mehr.
 
          Die Maßnahmen
              Hilfe durch den Bau einer Frauengesundheitsstation,
              entsprechende Informationsmaßnahmen und
              Beratungen für Familienplanung


Um diesbezüglich wenigstens in einigen Dörfern Abhilfe zu schaffen, hat Lebenschancen International in den Jahren 2000/
2001 den Bau einer Frauengesundheitsstation in dem Dorf Thecho im Kathmandutal finanziert und später noch die Ein­rich­tung eines Labors.

Die Station bietet Schwangeren- und Mutter-Kind-Betreuungen, gynäkologische Dienste sowie Beratungen für Familienplanung, letztere auch für Männer. Auch werden in der Station akute Allge­meinerkrankungen von Frauen, Männern und Kindern behandelt. Die Station beteiligt sich außerdem an den nationalen Impfpro­grammen.


 

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«Wofür Sie spenden können»
- Maßnahmen in Nepal


 


Schlangestehen am «Tag der offenen Tür»
zur Eröffnung des Frauengesundheitsstation.
500 Menschen - überwiegend Frauen - waren gekommen.

(Foto: Panna Tuladhar) 

 

Blutabnahme im Labor der Gesundheits­station, das 2008 eingerichtet wurde.
(Foto: Dr. Ilse-Dore Schütt) 
 
  Außer einer Koordinatorin arbeiten dort eine Gynäkologin, eine Krankenschwester und ein Gesundheitspädagoge. Diese bieten in der Station, den umliegenden Dörfern und manchmal in Slums der Hauptstadt auch Vorträge und Gesprächskreise über Risiko­schwangerschaften, Empfängnisverhütung, die Prävention von HIV/AIDS und gesunde Ernährung.
 
          Die Ergebnisse

In den Jahren 2002-07 wurden die Dienste der Gesundheits­station sowie die Beratungen bei Haus- und Slumbesuchen jährlich von etwa 2.000 Menschen genutzt. Danach hat sich die Zahl auf 1.350 im Jahr 2011 verringert, nachdem in einem Nach­barort ein größeres Gesundheitszentrum gebaut wurde. Am häufigsten wurden die Dienste wegen gynäkologischer Pro­bleme und Allgemeiner­krankungen genutzt. 15-20 % der Menschen kamen wegen Beratungen zur Familienplanung und/oder dem Bezug von Verhütungsmitteln. Etwa drei Viertel
der Nutzer/innen waren Frauen, der Rest jeweils etwa zur Hälfte Männer und Kinder.

An den Informationsveranstaltungen über Risikoschwanger­schaften, Empfängnisverhütung und die Prävention von HIV/AIDS haben bis 2007 in jedem Jahr rund 600 bis 800 Menschen teil­genommen, 2008 noch 440 und 2009 noch weniger. Ein Grund für die Abnahme waren entsprechende, von der Regierung eingeführte öffentliche Kam­pagnen. Sodann ist der Bedarf an solchen Informationen auch einmal gesättigt, sofern es sich
nicht um die nachwach­senden Jahrgänge handelt. Ab 2009 wurden noch Veranstaltungen zur HIV-Prävention und über Risikoschwangerschaften im Rahmen der Aktivitäten des
neuen Bildungszentrums durchgeführt (vgl. im Folgenden).

Auch bei diesen Informationsveranstaltungen waren etwa drei Viertel der Teilnehmer/innen Frauen. Dass sich auch Männer entsprechend informieren, ist sehr erwünscht. Es erleichtert Entscheidungen für eine Familienplanung und kommt ande­rerseits vornehmlich der Gesundheit der Frauen zugute.

Im übrigen wurde inzwischen in Nepal insgesamt im Rahmen
der internationalen Entwicklungshilfe sehr viel zur Minderung der genannten Probleme gemacht. Die Müttersterblichkeit ist infolge davon in nur wenigen Jahren auf ein mittleres Niveau gesunken, und die Geburtenzahl pro Frau in zwölf Jahren um 33 %. Das Projekt von «Lebenschancen» hat in einigen Dörfern und bei einigen Familien in Slums der Hauptstadt mit dazu beigetragen. In den ländlichen Regionen außerhalb des Einzugsbereichs von Städten gibt es diesbezüglich aber immer noch viel zu tun.
 

Frauengruppe im «Gemeinderaum» eines Armenviertels vor einer Informations­veranstaltung über Risikoschwangerschaften und Familienplanung.
 



Eine Frau erhält im Rahmen eines Gruppenangebots die Dreimonatsspritze zur Empfängnisverhütung. Solche Behandlungen in Gruppen stören die meisten hier nicht. Sie haben den Vorteil, dass Frauen mit Ängsten sehen können, wie das bei anderen gemacht wird und dass dabei nichts «passiert».
(Fotos: Dr. Ilse-Dore Schütt) 
 
 

     Projekt Förderung von Erwerbsmöglichkeiten und
     Rechten für Frauen sowie der allgemeinen Gesundheit

 
          Hintergründe
              Fehlen von Erwerbsmöglichkeiten für
              analphabetische Frauen, von Kenntnissen der
              Krankheitsvermeidung und Krankenbetreuung
              sowie der Illegalität von Gewalt an Frauen


Die Leiterin der Gesundheitsstation wurde von den meist an­alphabetischen Patientinnen öfter gefragt, ob man nicht etwas
für sie tun könne hinsichtlich einer Schaffung von Erwerbs­möglichkeiten. Die meisten Frauen arbeiten - außer in ihrem Haushalt - zwar auf eigenen Feldern, dies aber nur für die Selbstversorgung der Familie.

Wenn sie Geld für den Schulbesuch der Kinder brauchen oder die Registrierung in einer Gesundheitsstation, sind sie auf das angewiesen, was die Männer ihnen geben, und das ist oft nicht genug. Mit einem eigenen Einkommen sind sie diesbezüglich unabhängiger. Auch wächst damit ihr Ansehen in den Familien und sie können dann - oft erstmals - bei Entscheidungen über ihre Aktivitäten außerhalb des Haushalts mitbestimmen.

 


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«Wofür Sie spenden können»
- Maßnahmen in Nepal


  Der Träger der Gesundheitsstation, die nepalische Frauenförder­organisation «People in Need», hat entsprechende Möglichkei­ten geprüft. Sie kam zu dem Ergebnis, dass es durchaus solche Möglichkeiten gäbe, hielt aber eine Ergänzung durch andere Elemente für eine Verbesserung der Lage der Frauen und ihrer Familien für wichtig. Es handelte sich einmal um die Vermittlung von Kennt­nissen über die modernen Rechte in Nepal, d.h. ins­besondere der Menschen- und Frauenrechte einschließlich der Illegalität von Gewalt an Frauen, die traditionell weit verbreitet ist. Außerdem sollten weitere Informationsmaß­nahmen zur Gesund­heitsförderung durch­geführt werden.
 
          Die Maßnahmen
              Hilfe durch Bau eines Frauenbildungszentrums und
              Durchführung entsprechender Kurse und Vorträge


Als Voraussetzung zu den erforderlichen Informationsmaßnah­men und Schulungen interessierter Frauen sollte die Gesund­heitsstation mit einem kleinen «Frauenbildungszentrum» auf­gestockt werden, was Lebenschancen International 2008/2009 finanziert hat.

Seitdem wurden zahlreiche Vorträge und Kurse zu entsprechen­den Themen in dem Zentrum durchgeführt, aber auch welche in den 10 umliegenden Dörfern, dort dann im Freien oder in Schulen und in der Halle eines buddhistischen Klosters. Die Themen wurden zuvor mit den Interessen von Frauen in bereits gegebe­nen Spar- und Kreditgruppen abgestimmt, wovon etwa ein Drittel reine Frauengruppen waren.
 
          Die Ergebnisse
 
Gleich zu Beginn haben 100 Frauen lesen und schreiben gelernt. Sodann haben in zwei Jahren 1.300 Personen und davon 94 % Frauen an Kursen über Erwerbsmöglichkeiten teilgenommen sowie fast 900 Personen und davon 83 % Frauen an Vorträgen
zu den Menschen- und Frauenrechten. An den Vorträgen und Kursen zur Gesundheitsförderung - einschließlich solchen zur gesunden Ernährung sowie zur Müllvermeidung und -entsorgung - haben fast 1.200 Personen teilgenommen, davon 80 % Frauen.

Details zur Teilnahme von Männern, die zum Teil erwünscht war, finden Sie hier

Der Schwerpunkt der Kurse für Erwerbsmöglichkeiten lag bei der Trocknung und Konservierung von Früchten und Gemüse von den Feldern der Frauen. Daneben waren Kurse zur Herstellung kleiner gesunder Mahlzeiten und von Gebrauchsgegenständen aus zerschnittenen Plastiktüten gefragt.

Ein Teil der Frauen erzielt nun Einkommen durch den Verkauf solcher Produkte. Ein Großteil beschränkt sich allerdings auf Produktionen für die eigene Familie und das sonstige persön­liche Umfeld. Die Trocknung oder Konservierung von Früchten und Gemüse ermöglicht den Familien nun auch außerhalb der Erntezeiten eine gesunde Ernährung.

 





Das Gebäude der Frauengesundheitsstation mit dem Bildungszentrum im 1. Stock und den Bergen von 2500 m Höhe im Hintergrund


Frauen haben im Bildungszentrum ein Zertifikat für den erfolgreichen Besuch von Alphabetisierungskursen erhalten. Auch hier sitzen sie - wie traditionell üblich - auf Kissen auf dem Boden.



Frauen häkeln aus zerschnittenen Plastik­tüten verschiedene Gebrauchsgegenstände.
Einige Ergebnisse zeigt das untere Bild.

 

Frauen zeigen der deutschen Betreuerin des Projekts, wie die Schale der in der Region heimischen, vitaminreichen Lapsi-Früchte entfernt wird, aus deren Fruchtfleisch Saft und Trockenfrüchte hergestellt werden.

Eine der Teilnehmerinnen eines Kurses über die Her­stellung von Lapsi-Trockenfrüchten bietet diese nun in ihrem Laden an: hier in den Schüsseln auf der Theke.

(Fotos: Panna Tuladhar, Dr. Ilse-Dore Schütt) 
  Bei den Vorträgen über die Frauenrechte und die Illegalität von Gewalt an Frauen waren die Teilnehmerinnen zunächst sehr zurückhaltend, nachdem es sich bei der Gewalt in den Familien bisher noch um ein Tabuthema handelt. Im Laufe der Zeit haben jedoch immer mehr Frauen ihre Fragen eingebracht. Auch wur­den sie auf entsprechende Beratungsmöglichkeiten in der Haupt­stadt verwiesen, die mit einem Bus erreicht werden können.

Im übrigen wurden einige spezielle Veranstaltungen über die Rechte der Kinder durchgeführt. Dabei wurde herausgestellt, dass Mädchen die gleichen Rechte haben wie die Buben und
bei Schulbesuch und Gesundheitsversorgung nicht benachteiligt werden dürfen. Dies ist insbesondere in den ärmeren Schichten und allgemein in den Dörfern noch häufig der Fall.

Die Vorträge und Kurse zur Gesundheitsförderung umfassten insbesondere das Wissen über gesunde Ernährung, die Ver­meidung verschiedener ansteckender Krankheiten und von Risikoschwangerschaften sowie Maßnahmen zur häuslichen Krankenpflege, die dort vom Fiebermessen angefangen bisher alle unbekannt waren. Daneben gab es spezielle Vorträge über Frauenkrankheiten - von den verbreiteten Gebärmuttervorfällen bis zu Brustkrebs und der Selbstuntersuchung der Brust. Ferner wurden drei Kurse zur Müllvermeidung und Organisation einer Müllentsorgung am Ort des Zentrums durchgeführt, die es dort bisher nicht gab.

Im übrigen wurden einige Vorträge zur HIV-Prävention und zu den Menschen- und Kinderrechten in drei Schulen geboten, die sich dafür interessiert haben.
 
Frauen erfahren bei einem Vortrag im Freien erstmals, dass auch sie Rechte haben und Gewalt gegen sie nicht zulässig ist. Die Tücher auf einigen Köpfen dienen hier dem Schutz gegen die Sonne.
(Foto: Dr. Ilse-Dore Schütt) 

 
 
     Fortsetzung der Maßnahmen und
     wofür Sie spenden können


Da die Nachfrage nach den Kursen und Vorträgen groß ist und sich nun auch Frauengruppen außerhalb der Projektdörfer für diese interessieren, sollen alle Aktivitäten fortgesetzt werden, zum Teil in dem Zentrum, zum Teil in den Dörfern selbst. Natür­lich sollen auch die Dienste der Gesundheitsstation fortgesetzt werden.

Bau, Ausstattung und Aktivitäten der beiden Einrichtungen wurden durch erhebliche Zuschüsse der deutschen Entwicklungshilfe (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ) unterstützt, die Aktivitäten der Gesundheits­station aber nur bis zum Herbst 2005 und die des Bildungs­zentrums bis Ende 2011.

Für die Fortsetzung der Aktivitäten reichen die Mittel des örtlichen Trägers nicht aus. Um die Nachhaltigkeit der Projekte zu gewährleisten, will Lebenschancen International diese daher weiterhin aus Spenden unterstützen.

 
     Ich will helfen

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  Burkina Faso

1999 - 2001
Vermeidung ungewollter und riskanter Schwangerschaften
sowie von HIV-Infektionen bei Jugendlichen


 In 18 Monaten wurden 21.000 Jugendliche mit Informa-
tionen über die Entstehung von Schwangerschaften und die Ansteckungswege von HIV/AIDS erreicht.

      Die Probleme
      Das Projekt
      Die Ergebnisse
 


     Die Probleme (Stand 1997)

Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Frauen der jüngeren Generation hatten seinerzeit im Durch- schnitt noch 6,6 Lebendgeburten, auf dem Land noch minde- stens sieben. Die Bevölkerung wuchs damit - trotz einer noch beträchtlichen Kinder- wie auch AIDS-Sterblichkeit - jährlich um ca. 2,8 %. Dies sind 50 % mehr als die Höchstwerte in West- europa während der Industrialisierung bzw. jemals waren. Die Bevölkerung wird sich damit in 25 Jahren verdoppeln, wenn die Geburtenzahl pro Frau nicht bald erheblich abnimmt.

 
Der Projektort Koupéla
im östlichen Burkina Faso
  Wie in den meisten «traditionellen Gesellschaften» ist der gesamte Sexualbereich auch in Burkina Faso stark tabuisiert, d.h. man darf darüber nicht sprechen. Besonders stark sind die Schambarrieren zwischen den Generationen. Kinder und Ju- gendliche werden daher - außer durch entsprechende Projekte und manchmal schon entsprechenden Unterricht - nicht über die Folgen von Geschlechtsverkehr aufgeklärt. Sie haben aber ihre Gelegenheiten zu diesem, wobei die Mädchen oft von Gleich- altrigen oder älteren Männern dazu gedrängt oder mehr oder weniger gezwungen werden. Schließlich müssen sie nach den traditionellen Werten Männern und allen älteren Personen gehorchen!

Auch gibt es bisher kein schriftliches Informationsmaterial. Die Mehrheit könnte dies allerdings auch nicht lesen, weil nur ein Drittel der Kinder eine Schule besucht. Viele Mädchen werden damit bereits im Alter von 13-18 Jahren ungewollt schwanger.

Diese Probleme gab es früher nicht, weil die Mädchen bald nach Eintritt der Menstruation verheiratet wurden. Nun sollen sie jedoch möglichst länger die Schule besuchen, eine Berufsausbildung machen und erst später heiraten. Schwangere Mädchen werden meistens nicht vom Kindsvater geheiratet oder in eine feste Be- ziehung aufgenommen.

Ein uneheliches Kind ist jedoch eine große Schande für die Mädchen. Viele müssen dann die Schule oder eine Ausbildung abbrechen, auch weil die Eltern verlangen, dass sie selbst für ihr Kind sorgen. Ein Teil wird sogar von den Eltern verstoßen. Viele suchen daher «Abhilfe» in Schwangerschaftsabbrüchen. Diese sind in Burkina Faso illegal. Aber es gibt Möglichkeiten - vielfach durch Laien - sowie selbstinduzierte Abbrüche mittels Überdosie- rungen von Medikamenten, die beide oft starke Gesundheitsschä- digungen oder gar den Tod der Frauen zur Folge haben.

Mindestens 2 % der männlichen und 3 % der weiblichen 15-24-Jährigen sollen HIV-infiziert sein (korrigierter Wert von 2006). Im übrigen werden im dem Land - trotz eines gesetzlichen Verbo-
tes - noch etwa 70 % der Mädchen an den Geschlechtsorganen beschnitten.

 
     Hilfe durch ein Jugendgesundheitszentrum
     und Aufklärungsmaßnahmen


   
  Als einzig erfolgversprechender Weg zur Aufklärung der Jugendlichen haben sich unter den gegebenen starken Scham- barrieren zwischen den Generationen Erstinformationen durch «Gleichaltrigeninformanten» und «-informantinnen» erwiesen. Dazu werden Jugendliche, die gute kommunikative Fähigkeiten haben und für ein Engagement zur Vermeidung der genannten Probleme aufgeschlossen sind, entsprechend ausgebildet und dann für ein Honorar zu Vorträgen und Gesprächen in Schulen, an Jugendtreffpunkten und in ihrem persönlichen Umfeld eingesetzt. Grundkonzeption ist dabei eine «verantwortliche Sexualität» und «verantwortliche Elternschaft».

   
 


Ihr Überleben und das ihrer Partnerinnen ist gesichert, und
sie werden nicht mehr Kinder haben, als die Familie ernähren und die Frau verkraften kann: Junge Männer auf dem Weg
zu einer Informationsveranstaltung über HIV/AIDS und Empfängnisverhütung in dem von «Lebenschancen Internatio­nal» finanzierten Jugendgesundheitszentrum in Koupéla.


 

Ankündigung des Tagesprogramms
zum 14. 3. 2001
(Fotos: Agnes Schmidt)

 
Das von Lebenschancen International - mit einem Zuschuß der deutschen Entwicklungshilfe (BMZ) und eines größeren Beitrags des örtlichen Trägers - finanzierte Jugendgesundheitszentrum
in Koupéla konnte im Oktober 1999 seine Dienste aufnehmen. Darin wurde eine Hebamme für gynäkologische Untersuchungen, Basisgesundheitsdienste und Beratungen von jungen Frauen angestellt sowie ein Sozialpädagoge für Informationsmaßnah- men und Beratungen junger Männer.

Sodann wurden 13 Jugendliche als Gleichaltrigeninformant/in- nen ausgebildet und während der Projektlaufzeit an verschie- denen Stellen eingesetzt. Über die Informant/innen und in dem Zentrum sind auch Kondome erhältlich und über die Beraterin sonstige Verhütungsmittel und Basismedikamente.


Die Vorsitzende von «Lebenschancen» spricht
mit «Gleichaltrigeninformanten» über deren Aktivitäten.

(Foto: Ulrich Harsch)

Im übrigen bietet das Zentrum auch Informationsveranstaltungen über die gravierenden Folgen der Mädchenbeschneidung und die Vorurteile von deren Notwendigkeit. Schließlich enthält das Zen- trum auch eine kleine Bibliothek, Lernspiele, Video-Filme zu den Problemen und die Möglichkeit zum Fernsehen, was die Jugend- lichen in Koupéla normalerweise alles nicht haben.

 
     Ergebnisse und Fortsetzung der Aktivitäten

Bis Ende März 2001 konnten in nur 18 Monaten fast tausend Einsätze der Informant/innen durchgeführt werden. Daran haben ca. 21.000 Jugendliche teilgenommen, was etwa die Hälfte der 16- bis 24jährigen am Ort sein dürfte. 60 % waren männliche und 40 % weibliche Jugendliche oder junge Erwach- sene. Zugleich haben 8.000 entsprechende Filmvorführungen in Schulen und in dem Zentrum besucht. Genauso viele haben an entsprechenden Aktivitäten in den kommenden zwei Jahren teilgenommen. Das entspricht zusammen der Zahl der 16-24-Jährigen am Ort. Es ist aber nicht bekannt, inwieweit einzelne Jugendliche an mehreren Veranstaltungen teilgenommen
haben und andere nicht oder nicht durften, weil es die Eltern
nicht wollten.

Seit April 2001 werden die Aktivitäten vorwiegend aus Mitteln
der «International Planned Parenthood Federation
» in London finanziert, zum Teil aus Mitteln des burkinischen Gesundheits- wesens sowie Eigeneinnahmen des Zentrums aus den Ver-
käufen von Verhütungsmitteln und Medikamenten.

Seit Sommer 2005 unterstützt Lebenschancen International Schulen und Frauenorganisationen im Westen und in der Hauptstadt des Landes mit entsprechenden Informations- materialien für Jugendliche und Frauen.
 

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  Benin

1997-2000
Verbesserung der «reproduktiven Gesundheit», Vermeidung ungewollter und riskanter Schwangerschaften sowie von HIV-Infektionen

 Die Dienste werden viel für Schwangerschafts- und Nachge- burtsbetreuung sowie gynäkologische Untersuchungen genutzt, die Beratungen zur Familienplanung und der Kauf von Verhü- tungsmitteln jedoch nur in relativ geringem Maße, aber mit steigender Tendenz.

      Die Probleme
      Das Projekt
      Die Ergebnisse
 


     Die Probleme (Stand 1996)

Benin, das westliche Nachbarland von Nigeria, gehört zu den
25 ärmsten Ländern der Welt. Anfang der 90er Jahre hatten die Frauen bis zum Ende des fortpflanzungsfähigen Alters noch durchschnittlich rund 7 Lebendgeburten, und die Bevölkerung nahm jährlich um gut 3 % zu. Dies beinhaltet eine Verdoppelung der Bevölkerungszahl in etwa 24 Jahren, wenn die Geburtenzahl pro Frau nicht bald beträchtlich abnimmt.

Nur etwa 45 % der Geburten erfolgten mit ausgebildetem Perso-nal (vorwiegend Hebammen, zum Teil Ärzte). Auch fehlte es weit-hin an Informationen über Risikoschwangerschaften und -gebur- ten, die an demographischen Merkmalen festgemacht und mittels Empfängnisverhütung vermieden werden können. Dadurch ka- men auf tausend Lebendgeburten zehn Todesfälle der Mutter.

 

Der Projektort Dassa im mittleren Benin

 

Die Frauen von Dassa
demonstrieren für ihre Rechte.

(Foto: Bernard Gnantonnou)
 

     Hilfe durch eine Frauengesundheitsstation mit Beratungen
     für Familienplanung sowie Informationsmaßnahmen


Lebenschancen International hat daher 1997 - mit einem be- trächtlichen Zuschuss des deutschen Entwicklungshilfemini- steriums (BMZ) und Eigenleistungen der örtlichen Bevölkerung
- Bau und Ausstattung sowie laufende Kosten einer Frauenge- sundheitsstation finanziert. Sie enthält einen Untersuchungs- und einen Beratungsraum, einen größeren Raum für Informa- tionsveranstaltungen und eine Apotheke, in der auch Verhü- tungsmittel erhältlich sind.

«Honig ist in unseren Ort gekommen! Und wir sind so froh, dass wir nicht mehr dauernd Kinder bekommen müssen, sondern nur noch so viele, wie wir verkraften können. Danke, danke für das Zentrum.»

Dies sangen Frauen von Dassa-Zoumé, einem kleinstädtisch-ländlichen Ort im mittleren Benin, bei der Einweihung der Frauen- gesundheitsstation. Dazu tanzten sie vor Freude und schenkten den Besuchern von Lebenschancen nach traditioneller Sitte zum Dank Früchte ihrer Felder und einen lebenden Hahn.

 
Mütter und Kinder in einem Dorf in der Nähe des Projektortes, denen die Dienste der Gesundheitsstation auch zugute kommen.
(Foto: Ulrich Harsch)

 
Frauen tanzen zur Einweihung 
der Gesundheitsstation in Dassa.

(Fotos: Ulrich Harsch)

Tätig waren darin immer ein oder zwei Hebammen, die auch zu allgemeinen gynäkologischen Untersuchungen, der Abgabe der Dreimonatsspritze und «Pille» sowie der Einsetzung von Verhü- tungsspiralen befugt sind. Diese sind auch als Geburtshelferin- nen bei Hausgeburten tätig. Außerdem wurden entsprechende Informationsmaßnahmen von diesen und dem Leiter der örtli- chen Trägerorganisation in der Station und umliegenden Dör- fern durchgeführt. Da es hier verbreitet Widerstände der Männer gegen eine Empfängnisverhütung gab, wurden im Jahr 2000 noch intensive Informationskurse für diese über die Probleme und Möglichkeiten finanziert.

Parallel zu den Informationsmaßnahmen über die Probleme von Risikoschwangerschaften und HIV/AIDS sowie ihre Vermeidbar- keit hat es seitens des staatlichen Gesundheitswesens welche zur allgemeinen Gesundheitsförderung gegeben (Impferforder-nisse, gesunde Ernährung und Vermeidung von Durchfallerkran- kungen).
 
     Ergebnisse und Fortsetzung der Aktivitäten

Die Dienste wurden viel für Schwangerschafts- und Nachge- burtsbetreuung sowie gynäkologische Untersuchungen genutzt, die Beratungen zur Familienplanung und der Kauf von Verhü- tungsmitteln jedoch nur in relativ geringem Maße, aber mit steigender Tendenz.

Zwar möchten viele Frauen nicht mehr bis zum 40. Lebensjahr und darüber hinaus Kinder gebären oder hätten gerne größere Abstände zwischen den Geburten. Aber leider sind viele Männer gegen eine Empfängnisverhütung, die Frauen aber auf deren Zustimmung angewiesen: «Wenn die Frauen keine Schwanger- schaften mehr zu befürchten haben, werden sie 'unsittlich' und nicht mehr treu sein. Das verdirbt alles nur die guten Sitten.» Oder: «Man muß Vertrauen in die Vorsehung haben. Warum sollen wir geborene Kinder nicht ernähren können?» heißt es dann.

In den Jahren 2000/01 erhielt die örtliche Trägerorganisation Mittel des Weltbevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), um erneut umfangreiche Informationsmaßnahmen durchzuführen und weitere Dörfer einzubeziehen. Seitdem wer- den die laufenden Kosten von dem Träger finanziert, vornehm- lich aus Einnahmen für die Behandlungen, Hausgeburten und der Apotheke.
 

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Die Hebamme und Beraterin für Familienplanung erläutert verschiedene Verhütungsmittel.
 

  Paraguay

1993-96
Verbesserung der «reproduktiven Gesundheit», Vermeidung ungewollter und riskanter Schwangerschaften sowie von HIV-Infektionen


 Etwa 16.000 Personen oder Paare wurden zur Empfängnisverhütung und über 5.000 Frauen neu zu gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen motiviert.

      Die Probleme
      Das Projekt
      Die Ergebnisse
 


     Die Probleme (Stand 1992)

Paraguay war seinerzeit das zweitärmste Land Südamerikas - nach Bolivien. Dabei waren die wirtschaftlichen Verhältnisse im Schnitt aber schon beträchtlich besser als in den meisten Län- dern Afrikas und Asiens. Entsprechend war auch die Kinder- sterblichkeit schon länger relativ niedrig.

Die Frauen hatten bis zum Ende des gebärfähigen Alters 1992 im Durchschnitt etwa 4,5 Lebendgeburten, auf dem Lande aber noch über 5. Angesichts der gesunkenen Kindersterblichkeit betrug die Bevöl- kerungszuwachsrate damals 2,7 % pro Jahr. Dies war der höchste Wert in ganz Südamerika und beinhaltet eine Verdop- pelung der Bevölkerung innerhalb von nur 26 Jahren, wenn die Geburtenzahl pro Frau nicht bald deutlich abnimmt.



Eine Familie mit elf Kindern vor ihrem Brunnen. Außer den bei- den ältesten sind alle sehr mager und wohl auch unterernährt. Nach dem Informationsprojekt von «Lebenschancen» sollte es
so hohe Kinderzahlen nicht mehr geben.

(Foto: Evi-Kornelia Gruber)

Auch waren sehr frühe, ungewollte Schwangerschaften (mit
12-16 Jahren) und «Hinterhofabtreibungen» verbreitet, ebenso Gebärmutter- halsentzündungen
, die häufig zu Krebs führen, wenn sie nicht behandelt werden.

Viele Frauen wollten keine Kinder mehr oder wenigstens einen längeren Abstand zwischen den Geburten. Aber es gab in der Öffentlichkeit bisher nur wenig diesbezügliche Informationen.
Es gab Vorbehalte seitens der katholischen Kirche und falsche Informationen über die Gefährlichkeit von Verhütungsmitteln sowie Scham, über diese Fragen zu sprechen.
 
     Hilfe durch Informationsmaßnahmen, gynäkologische
     Dienste, Beratungen zur Familienplanung sowie
     Fortbildungen von einfachem Gesundheitspersonal


Die deutsche Bundesregierung hat damals in der kleinstädtisch-ländlichen Provinz «San Pedro Norte» im mittleren Paraguay mit etwa 60.000 Einwohnern ein Projekt zur Förderung der Landwirt-schaft durchgeführt, zu dem auch spezielle Maßnahmen der Frauenförderung gehörten. Lebenschancen International hat diese Fördermaßnahmen durch ein Projekt zur Minderung der genannten Probleme ergänzt.

 
Das Projektgebiet in der Provinz
«San Pedro» im mittleren Paraguay


 
Gesundheitsinformationen
in einem der Projektdörfer

(Fotos: Georg Birbaumer)

Die grundlegenden Maßnahmen waren ein Radioinforma- tionsprogramm mit wöchentlichen Sendungen, Informations-veranstaltungen in den Dörfern, Beratungen zur Empfängnis- verhütung, Angebote gynäkologischer Untersuchungen und von Schwangerenbetreuungen. Die medizinischen Dienste gab es schon bisher in beschränktem Maße in Trägerschaft des staatlichen Gesundheitswesens. Im Rahmen des Projekts wurden sie aber noch um eine halbe Stelle ausgedehnt.

Inhalte der Informationen waren insbesondere eine verant- wortliche Elternschaft, die Vermeidung von riskanten und unge- wollten Schwangerschaften sowie von Ansteckungen mit dem
HI-Virus und den verbreiteten Geschlechtskrankheiten. Außerdem wurde über Gebärmutterhalsentzündungen, Impferfordernisse und gesunde Ernährung von «Mutter und Kind» informiert und dazu auf die Gesundheitsdienste verwiesen.

Im übrigen wurde das betreffende Grundwissen in die Fortbil- dungen von 60 Gesundheitshelferinnen und 190 traditionellen Hebammen integriert und bei letzteren durch das heutige Wissen über Geburtshilfe und Neugeborenenfürsorge ergänzt.
 
     Die Ergebnisse

«Das Radioprogramm hat in hohem Maße dazu beigetragen,
das Schweigen, die Desinformation und mit den Vorurteilen oder Tabus zu brechen», hieß es schon im ersten Zwischenbericht zu dem Projekt.


•  Etwa 16.000 Personen oder Paare wurden zur Empfängnis- verhütung motiviert.
•  Die gefragteste Methode war die «Pille», aber ein noch beachtlicher Teil benutzte Kondome. Einige Frauen und Paare haben sich auch für die «natürliche Familienplanung», d.h. die von der katholischen Kirche akzeptierte Zeitwahl- und Tempera-turmethode mit zeitweiliger Abstinenz interessiert.
•  Hatten vor Beginn des Projektes 1.740 Frauen gynäkologische Vorsorge-Untersuchungen aufgesucht, so waren es im dritten Jahr des Projekts über 7.000.
•  Hatten im ersten Projektjahr von 3.000 untersuchten Frauen ca. 70 % Gebärmutterhalsentzündungen, waren es nach Behandlun-gen bei Folgeuntersuchungen nur noch 10 %.

     Das Projekt als Test für ein Programm
     der Regierung von Paraguay


Nachdem die Maßnahmen seitens der Bevölkerung so viel Zuspruch erhalten hatten, wurde das Projekt vom staatlichen Gesundheitswesen von Paraguay fortgeführt. Dazu wurden in dem Hauptort der Provinz zusätzlich zu einer bisherigen zwei weitere Gynäkolog/innen angestellt. Außerdem hat der Ort mit seinen etwa 20.000 Einwohnern als nächster nach der Haupt-stadt Asuncion ein Labor für Untersuchungen von Gebärmutter-halsabstrichen erhalten. Und die Rundfunksendungen wurden von lokalen Einrichtungen fortgeführt.

Schließlich waren die durchgeführten Maßnahmen ein Test für das ganze Land. Nachdem das Interesse an der Familienpla-nung dort so groß war und befürchtete Widerstände seitens klerikaler Kreise ausblieben, hat die Regierung von Paraguay 1998 ein landesweites Programm zur Förderung der Familien- planung eingeführt und dies mit Unterstützung der deutschen Entwicklungshilfe.
 

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Anmeldung zur mobilen
Schwangerenbetreuung und Beratung
über Empfängnisverhütung

 

          Kleinförderungen

 

  Togo
2000


 Zuschuss für den Bau einer
Beratungsstelle für Familienplanung



Das zentrale Dorf Danyi Atigba in der Bergregion im Westen Togos hatte schon länger eine kleine Gesundheitsstation mit einem Gesundheitsberater und einer Geburtshelferin. Auch war es schon in ein Pilotprojekt zur Jugendaufklärung über HIV/AIDS und die Entstehung von Schwangerschaften einbezogen. Aber
es gab bisher keine Beratungsstelle über Möglichkeiten der Empfängnisverhütung.


Die kleine Beratungsstelle für Familienplanung mit vier Jugend- und Erwachsenenaufklärer/innen, die die deutsche Entwicklungs- hilfe (GTZ) an dem Ort 1997 im Rahmen eines Pilotprojektes ausgebildet hatte.  (Foto: Gudrun Haupter)

Die Menschen dort haben daher beim Deutschen Frauenring angefragt, ob er eine Erweiterung der Gesundheitsstation für diese Beratungen finanzieren könne. Der Frauenring unterstützt schon die Gesundheitsstation und die Lehrergehälter einer Berufsschule für Schneiderinnen und Schreiner an dem Ort.
Er hat dann den Bau und die Ausstattung der Beratungsstelle
- mit einem Zuschuss von Lebenschancen - finanziert.


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Der Projektort Danyi Atigba
im westlichen Togo
 

  Tanzania
1997


 Überbrückungsfinanzierung für eine Theatertruppe zur Aufklärung über HIV/AIDS und Empfängnisverhütung

Wie kann man Menschen, die nicht lesen und schreiben können, über eine Krankheit informieren, die über Jahre zunächst keinerlei Symptome verursacht? Und wie kann man sie davon überzeugen, dass es Möglichkeiten einer Empfängnisverhütung gibt, wenn sie gar nicht wissen, wie Schwangerschaften entstehen?

Ein probates Mittel ist in Afrika die Aufführung von entsprechen-
den Sketchen oder kleinen Theaterstücken, die die Inhalte mit Bezug auf lokale Verhaltensmuster auf lustige Art vermitteln. Daher werden entsprechende Theatertruppen auch vielfach von der Entwicklungshilfe ausgebildet. Leider gab es für eine sehr erfolgreiche Truppe im Nordosten von Tansania einmal keine Anschlussfinanzierung. Es war zu befürchten, dass die Truppe auseinandergeht, weil die Menschen ja irgendwoher ein Einkommen haben müssen.

Lebenschancen ist dann «eingesprungen» und hat für die 12-köpfige Truppe drei Monate lang die Gehälter von insgesamt 2.600 DM (!) bezahlt und damit Aufführungen in zehn neuen Dörfern ermöglicht. Danach hat die Truppe anderweitig längere Finanzierungen erhalten und konnte ihre Sketche zur Aufklärung in immer mehr Dörfern durchführen und dann auch Umwelt- probleme einbeziehen.



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Der Projektort Pangani
im nordöstlichen Tanzania



Eine Aufführung der Truppe
zur HIV/AIDS-Prävention

(Foto: Vera Pieroth)
 
 


 
Malawi
1995 - 98


 Unterstützung des Baus einer Gesundheitsstation mit Beratungen über Empfängnisverhütung


Vor dem Projekt kam nur einmal im Monat ein mobiler Gesund-heitsdienst in das Dorf Chamba im Distrikt Liwonde in Malawi. Wenn die Menschen zwischendurch krank wurden, mussten sie mit ihren Beschwerden bis zum nächsten Besuch des mobilen Gesundheitsdienst ausharren oder sehen, wie sie zu Fuß in das nächste Krankenhaus in 24 km Entfernung gelangen oder von Trägern auf einer Bahre dorthin gebracht werden. .

 
Der Projektort Chamba
im südlichen Malawi


 

Frauen aus Chamba und Umgebung warten mit ihren Kindern
auf den monatlichen mobilen Gesundheitsdienst. Im Hinter-
grund der Rohbau der Gesundheitsstation, die durch Spenden
an «Lebenschancen» u. a. ermöglicht wurde.


Das wollte die Dorfbevölkerung ändern. Sie hatte sich daher entschlossen, eine kleine Gesundheitsstation in Eigenarbeit zu bauen, in der eine Gemeindeschwester ihre Dienste anbieten und der einmal monatlich kommende Arzt ein richtiges Unter-
suchungszimmer haben sollte. Die Krankenschwester sollte zugleich über Möglichkeiten der Empfängnisverhütung infor-mieren und Verhütungsmittel abgeben.

Für die Baumaterialien, Fenster, Türen und das Dach brauchten die Menschen in dem Land, das zu den zehn ärmsten der Welt gehört, jedoch Unterstützung. Diese wurde teils von der deut- schen Entwicklungshilfe (GTZ) und teils von Lebenschancen gewährt. Außerdem hat Lebenschancen das verantwortliche Krankenhaus beim Kauf von Verhütungsmitteln und Medika- menten unterstützt.

Für die Menschen in Chamba hat damit eine neue Zeit begonnen, indem sie bei Erkrankungen nun alle Tage zumindest erste Hilfe haben können sowie erstmals Beratungen über Möglichkeiten einer Empfängnisverhütung.


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Eine der wartenden Mütter
mit ihrem Kind

(Fotos: Dr. Gabriele Gahn)